
Einen Aleksandar Dragovic kann so schnell nichts erschüttern. Keine kleine Verletzung, kein Ausschluss, kein Fehlstart. Und schon gar kein Play-off-Spiel wie jenes der Austria gegen Braga am Donnerstag (21 Uhr). „Es ist ein Bonusspiel“, erklärte der 35-Jährige vor dem Abflug zum Hinspiel in Portugal.
Sein persönlicher Saisonstart gleicht bisher einer Achterbahnfahrt – genau wie jener der Veilchen. Der Muskelfaserriss in der Vorbereitung sei „nicht optimal“ gewesen, das Cut samt Gehirnerschütterung im Cup hätte ihn „ein wenig zurückgeworfen“, sagte Dragovic. Das alles konnte ihn aber ebenso wenig aus der Bahn werfen, wie die Rote Karte gegen den LASK. „So ist Fußball – es geht bergauf und bergab.“
Alle Jahre wieder
Auch der Fehlstart in die Liga mit zwei Niederlagen konnte ihn nicht nervös machen. „Alle Jahre wieder“, analysierte der Routinier nüchtern. Dass man am Sonntag gegen Hartberg dann doch den ersten Dreier eingefahren hat, sei aber schon wichtig gewesen. Auch wenn Dragovic da gesperrt fehlte.
Insgesamt sieht der ehemalige ÖFB-Teamkicker die Austria aber einen Schritt weiter vorne, als in den letzten Jahren. Nämlich international. „Wir haben mit Beitar Jerusalem eine sehr gute Mannschaft ausgeschaltet. Ja, da war auch Glück dabei, aber jetzt stehen wir im Play-off.“
Und genau dort waren noch gar nicht so viele seiner Teamkollegen. Dragovic selbst war mit Basel, Dynamo Kiew, Leverkusen und Roter Stern Belgrad sogar in der Champions League. Ob er jetzt Tipps geben kann für die Partie in Braga? „Wir werden es angehen wie jedes andere Spiel auch.“
Kirche im Dorf lassen
Klar ist das Ziel die Gruppenphase. „Aber wir müssen die Kirche schon im Dorf lassen“, bremst Dragovic, „es ist nicht selbstverständlich, dass wir im Play-off sind. Wenn ich mir Rapid, den LASK und Sturm anschaue – von Salzburg will ich gar nicht reden – was die für Möglichkeiten haben im Vergleich zu uns. Da muss ich unserer Mannschaft schon hoch anrechnen, was sie immer wieder leistet.“
Gemeinsam mit Kapitän Manfred Fischer und Reinhold Ranftl gehört Dragovic zu jenen Austrianern, die die jungen Spieler führen sollen. „Natürlich versuche ich, ihnen zu helfen.“ Das sei aber gar nicht immer so leicht, wie er erzählt. „Die Gesellschaft hat sich geändert. Im Vergleich zu früher, als ich noch jung war, ist das wie Tag und Nacht. Ich bin von damals noch eher die alte Schule gewohnt, heute ist das ganz anders. Aber natürlich versuche ich, den jungen Spielern Druck wegzunehmen, damit sie sich als Fußballer entwickeln können.“ Alte Schule? „Ich geb’s zu: Manchmal erwisch’ ich mich selbst, wenn ich in der Kabine gleich als Erstes aufs Handy schau.“
Kochen nur mit Wasser
In Braga sieht Dragovic einen „großen Brocken. Die waren nicht umsonst im Vorjahr im Halbfinale der Europa League und haben gerade ihren Tormann um 30 Millionen Euro an Newcastle verkauft“. Bei allem Respekt erinnert der Routinier aber auch daran: „Sie kochen auch nur mit Wasser. Wir wollen dort mit breiter Brust auftreten und ein Ergebnis mitnehmen, mit dem wir im Rückspiel noch eine Chance auf den Aufstieg haben.“
Source:: Kurier.at – Sport



