Was Fußball spielende Giraffen mit Sicherheit zu tun haben

Politik

Von Christian Böhmer, Helsinki

Der Aggressor ist schon beim Frühstückskaffee mit am Tisch. „Die Bedrohung steigt“, titelte die finnische Zeitung Iltalehti erst diesen Donnerstag. Illustriert war die Textstrecke mit einem ganzseitigen Bild, auf dem nur ein Mann zu sehen ist: Wladimir Putin.

Finnland hat die längste EU-Außengrenze mit Russland, sie ist geschlossen und mit Minen gespickt. Und im Unterschied zu Zentraleuropa ist von Helsinki bis hinauf ins entfernte Utsjoki de facto jeder Finne überzeugt: Russland ist gefährlich, ihm ist nicht zu trauen.

Nicht nur, weil man mit einem „klassischen“ territorialen Angriff rechnet, nein: Die Finnen beobachten Tag für Tag viele unscheinbare Angriffe.

Hybride Attacken nennen Experten das. Attacken, die nicht klar zuzuordnen sind. Mal brennt eine Munitionsfabrik, die auch die Ukraine versorgt; mal durchtrennt ein ziviles Schiff ein wichtiges Unterseekabel in der Ostsee. Sind das Unfälle? Oder doch Nadelstiche, um Europa und die NATO zu irritieren? Es ist nicht immer aufzuklären.

Aus Gründen hat sich Außenministerin Beate Meinl-Reisinger nun das in Helsinki angesiedelte „Hybrid CoE“ angesehen, sie will ähnliche Anstrengungen in Österreich vorantreiben.

Das CoE bekämpft die erwähnten Phänomene, die Experten den putzig anmutenden Namen „FIMI“ geben.

FIMI steht für „Foreign Information Manipulation and Interference“, also die ausländische Informationsmanipulation und Einmischung, und bei deren Abwehr sind die Finnen gut unterwegs.

„Wir sind ein Think- und ein Do-Tank“, sagt eine Sprecherin des CoE zum KURIER. Damit meint sie, dass die 50 Mitarbeiter frei zugängliche Analysen und Papiere verfassen; zudem aber bieten sie Workshops für Länder an, um sie gegen FIMI zu rüsten.

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Dass Finnland international als sehr resilient gilt, liegt nicht nur an hier angesiedelten Institutionen wie dem CoE, sondern auch an der allgemeinen „Media-Literacy“, der Medien-Kompetenz. Sie ist in Finnland messbar hoch.

Warum? Das kann Kari Ivinen erklären. Der frühere Schuldirektor ist der führende Kopf bei „Faktabaari“, einer Organisation, die sich um die Medien-Kompetenz annimmt.

„Wir versuchen, möglichst früh zu beginnen. Die Schüler sind ja auch vom Kleinkindalter an mit Tausenden Videos und Bildern konfrontiert“, sagt Ivinen.

Wie? „Indem wir in Schulen gehen und am kritischen Denken arbeiten.“

Ivinen bringt gerne das Beispiel vom Fußball und der Giraffe. „Eine unserer Übungen geht so: Die Schüler müssen sich absurde Dinge ausdenken. Für manche sind das Dinge wie Giraffen, die in der Steppe Fußball spielen.“

Mit den fantastischen Vorgaben füttern die Kinder ein KI-Tool – und plötzlich erwacht ihre Fantasie als vermeintlich echtes Video zum Leben. „Dadurch, dass Kinder selbst erfahren, wie leicht die Realität in bewegten Bildern gebrochen wird, bleiben sie kritisch und hinterfragen aktiv Bilder und Videos.“

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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