
Bei russischen Drohnenangriffen sind am Freitag in der südostukrainischen Großstadt Krywyj Rih mindestens 14 Menschen in einem belebten Einkaufszentrum getötet worden. Das berichtete der Militärgouverneur des Gebiets Dnipropetrowsk, Olexander Hanscha, am Abend auf Telegram. Ukraines Präsident Wolodimir Selenskij sprach von „Terror“. Zuvor waren nach russischen Drohnenangriffen im grenznahen ostukrainischen Gebiet Charkiw von ukrainischen Behörden zwei Tote vermeldet worden.
Die Zahl der Verletzten in Krywyj Rih habe sich inzwischen auf 103 erhöht, teilte Hanscha mit. 27 Personen hätten schwerste Verletzungen erlitten und befänden sich in einem ernsten Zustand, unter ihnen ein Kind. Die Opferzahl könne noch steigen. Nach seinen Angaben gerieten mehrere Geschäfte in dem Einkaufszentrum in Brand.
Die russische Armee griff offenbar zunächst mit einer Drohne an, später folgte ein Angriff mit einer weiteren Drohne. Ein Video zeigt eine Drohne, die auf das Dach eines Gebäudes stürzt, während aus dem Dach bereits Rauch aufsteigt. Die Echtheit der Aufnahmen konnte zunächst nicht gesichert überprüft werden.
Selenskij: „Angriffe wie diese sind Terrorakte“
Eine zweite russische Drohne habe das Einkaufszentrum eine halbe Stunde nach der ersten getroffen, erklärte auch der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij und verurteilte den Angriff auf seine Heimatstadt als „absolut zynisch und verabscheuungswürdig“. Dieser sei ein gezielter Versuch gewesen, nach dem Ausbruch eines Brands Rettungskräfte zu treffen.
Selenskij fordert die internationale Gemeinschaft auf, Russland zur Rechenschaft zu ziehen. „Solche Angriffe sind schlichtweg Terrorakte“, betonte er. Die Welt müsse entsprechend darauf reagieren – mit echtem Druck auf den Aggressor. „Damit Frieden herrschen kann, muss Russland tatsächlich zur Verantwortung gezogen werden.“
Die Heimatstadt von Selenskij liegt rund 350 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Kiew. Erst vor wenigen Tagen war Krywyj Rih vom russischen Militär mit Kampfdrohnen und ballistischen Raketen angegriffen worden. Dabei starben nach offiziellen Angaben zwei Zivilisten, knapp ein Dutzend Menschen wurde verletzt.
Zuvor hatte Russland mit Drohnenangriffen in Charkiw nach ukrainischen Behördenangaben mindestens zwei Menschen getötet. Bei der Attacke mit sechs Drohnen auf das Dorf Lebjaschje seien zwei Frauen im Alter von 66 und 73 Jahren gestorben. Zwei weitere Menschen hätten Verletzungen erlitten, teilte Charkiws Militärgouverneur Oleh Synjehubow bei Telegram mit. Es seien fünf Häuser in Brand geraten, drei zerstört und viele weitere beschädigt worden.
Die Region ist besonders oft das Ziel von russischen Angriffen in dem seit viereinhalb Jahren andauernden Krieg. Nach Angaben der ukrainischen Flugabwehr setzte Russland gegen das Land insgesamt 135 Drohnen ein, davon seien 107 abgeschossen worden. Russische Truppen nahmen zudem nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau das Dorf Selene in der ostukrainischen Region Donezk ein. Dies meldete die staatliche Nachrichtenagentur TASS.
Grenzübergang zu Moldau beschädigt
Zudem wurde bei einem russischen Drohnenangriff in der südukrainischen Region Odessa in der Nacht auf Freitag ein Grenzübergang zu Moldau beschädigt. Der Passagier- und Fahrzeugverkehr am Kontrollpunkt Tabaky wurde eingestellt und auf andere Übergänge umgeleitet, wie der ukrainische Grenzschutz auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mitteilte. Die moldauischen Behörden seien über die Situation informiert.
Russland führt seit knapp viereinhalb Jahren einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Seit einigen Monaten nimmt das russische Militär verstärkt zivile Ziele im Nachbarland ins Visier. Die Ukraine verteidigt sich mit westlicher Hilfe gegen den russischen Angriffskrieg.
Bei einer Beilegung des Ukraine-Konflikts …read more
Source:: Kurier.at – Politik



