Erste Betriebsversammlung: Wie Clemens Pig die ORF-Zukunft beschreibt

Kultur

Langwierige Stiftungsratssitzungen, politisch motivierte mediale Diskussionen und persönliche Attacken hat der neu bestellte Generaldirektor Clemens Pig schon hinter sich.

Der wirkliche Härtetest ist aber für jeden Chef, vor der Belegschaft zu stehen. Zumal vor jener des ORF, die von den Ereignissen und Skandalen der vergangenen Monate einigermaßen mitgenommen ist und die auf eine ungewisse Zukunft blickt – wirtschaftlich, politisch und durch die neue, teils hausfremde Führung auch personell.

Mittwochvormittag absolvierte Pig auf Einladung des Betriebsrats seine erste Betriebsversammlung für den Programmbereich im ORF-Zentrum. Zu Wochenbeginn war der frühere APA-CEO bereits den Info- und Magazin-Journalisten Rede und Antwort gestanden. Beides fand im übervollen Atrium am Küniglberg statt. Begonnen hatte Pig sein Zugehen auf „seine“ Mitarbeitenden schon davor mit einer ersten Bundesländer-Visite zwischen Vorarlberg und Oberösterreich, was symbolhaft für die Bedeutung der Landesstudios steht. Weitere werden folgen.

Unruhige Belegschaft

Es hatte in Teilen der Belegschaft bereits etwas gebrodelt, weil sich der neue Chef zuvor nur in Interviews geäußert hatte. „Sehr klar, sehr offen, sehr direkt, auch dort, wo es wehtun wird“, habe Pig gesprochen, hieß es nach der Betriebsversammlung. „Man hatte das Gefühl, das ist ein Kapitän, der das schlingernde Schiff wieder auf Kurs bringen kann.“ Zuvor will Pig das Medienhaus von unten nach oben kennenlernen, verstehen, zuhören und Ideen aufnehmen, um es gemeinsam weiterzuentwickeln. „Sogar Lacher statt der immer gleichen langen Gesichter“ habe es gegeben.

Vor den Info-Journalisten stellte Pig dem Vernehmen nach klar, dass er gegenüber der Politik und Interventionen aus ihrem Umfeld eine Firewall sein werde, wie er das über Jahre auch schon bei der APA praktiziert hat. Thema war auch die „Bad Bank“, wohin „weiße Elefanten“ (Mitarbeiter, die hohe Funktionen verloren haben) und skandalumwitterte Mitarbeiter ausgegliedert werden sollen.

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Einschnitte in der Führungsebene

Noch keine Details konnte er naturgemäß zur Umsetzung der Strukturänderungen nennen, die sich aus seinem Bewerbungskonzept ergeben. Er vermittelte, so Teilnehmer, den Eindruck, dass er willens sei, Einschnitte in der Führungsebene zu tätigen und bei den Jungen prekäre Arbeitsverhältnisse zu beenden.

Während andere den ORF am liebsten abwracken wollen, braut sich dort, trotz teils unerfreulicher Rahmenbedingungen, leise Aufbruchstimmung zusammen. Dabei hat Pig, der dem Unternehmen das Du-Wort angeboten hat, angesprochen, dass er Personalmaßnahmen nicht ausschließen kann, dass es einen weiteren harten Sparkurs geben muss.

„Er hat nicht herumgeschwurbelt und nichts versprochen, was er nicht halten kann – wie andere Generaldirektoren“, hieß es dazu am Mittwoch. Und er hat auch erklärt, dass er den Kampf um die 93 Millionen, die die Bundesregierung einkassiert hat, auch nach Ingrid Thurnhers Abschied weiterführen wird.

ORF muss raus zu den Beitragszahlern

Deutlich angesprochen hat der neue Chef vom Küniglberg, dass der ORF künftig anders und besser mit Publikum und Öffentlichkeit kommunizieren müsse. Der ORF müsse sich besser erklären und diese Rolle selbst übernehmen, weil es sonst keiner für ihn tue.

Das ist auch an den wiederkehrenden medialen Aussagen zu einer Beitragserhöhung zu sehen. Thurnher hatte angekündigt, sie werde dem ORF-Gesetz folgend eine Meldung an die Medienbehörde abgeben, dass die Nettokosten des öffentlich-rechtlichen Auftrags nicht mehr gedeckt sind. Alles, was danach kommt, ist offen. Eine Beitragserhöhung noch weit weg.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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