Österreich auf der Expo in Serbien: Chormädchen statt Sängerknaben

Wirtschaft

In Surčin, unweit des Belgrader Flughafens, wird gerade emsig gebaut. 83 Hektar Ausstellungsfläche umfasst das riesige Gelände für die Weltausstellung, die vom 15. Mai bis 15. August 2027 stattfinden wird. 134 Nationen, darunter Russland, werden sich dann über den Sommer von ihrer besten Seite präsentieren. Vier Millionen Besucher werden auf der Expo erwartet.

Auch Österreich ist dabei und nutzt die Chance, um die guten wirtschaftlichen Beziehungen zu Serbien weiter auszubauen und sich als Brückenbauer zu den wachstumsstarken Westbalkanländern in Szene zu setzen. „Österreich genießt hier einen Sonderstatus“, sagt Alf Netek, Projektleiter der Expo 2027 in der Wirtschaftskammer (WKÖ) zum KURIER. 

Drittgrößte Investor in Serbien

Österreich ist der drittgrößte ausländische Investor in Serbien, mehr als 800 Firmen sind hier tätig. Das Handelsvolumen betrug zuletzt 2 Mrd. Euro und hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Industrieunternehmen wie der Lichtkonzern Zumtobel nutzen Serbien als günstigen Produktionsstandort, Händler und Dienstleister wie der Hörgeräteakustiker Neuroth oder die Post sehen große Wachstumschancen in einem noch ungesättigten Markt. Auch heimische Banken und Versicherungen sowie Logistiker sind gut im Geschäft.

Beziehungspflege auf der Expo

Auf der Expo werde es vor allem um Beziehungspflege gehen, sagt Netek. „Eine Expo ist ja keine Messe, sondern ein Treffpunkt.“ Als Symbol der „jahrtausendalten Verbundenheit“ mit dem Balkan fließt durch den Österreich-Pavillon eine virtuelle, interaktive Donau. Quasi vom Ufer aus können diverse Innovationsprojekte bestaunt werden. Da trifft es sich gut, dass besonders Umwelttechnologie, speziell der Hochwasserschutz, am Balkan stark nachgefragt wird. Als offizielle Maskottchen ist ein Wassertropfen-Pärchen vorgesehen, das Ende September der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll.

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Spiel, Sport und Musik als treibende Kräfte für menschliche Entwicklung, Kreativität und sozialen Zusammenhalt lautet das etwas sperrige Motto der Expo. „Wir werden auch österreichische Musikinstrumente ausstellen“, so Netek.

Besucher, die sich wie zuletzt auf der Expo in Japan Touristen-Klischees erwarten, werden enttäuscht. „Sound of Music“ ist in Belgrad definitiv kein Thema, stattdessen wird Tempelhüpfen gezeigt. Am 11. Juni, dem Nationentag, werden nicht die Wiener Sängerknaben, sondern die Wiener Chormädchen für musikalische Österreich-Werbung sorgen. „Ein schönes Zeichen für Diversität, Tradition und Innovation“, findet Netek. 7,2 Millionen Euro kostet der Österreich-Auftritt, wobei drei Viertel vom Wirtschaftsministerium kommen und den Rest von der WKÖ.

Politischer Schatten

Über das Großereignis im kommenden Jahr hängt jedoch ein politischer Schatten. Die Expo gilt als Prestigeprojekt von Serbiens Präsident Aleksandar Vučić und ist ob seiner Überdimensionierung in der Bevölkerung umstritten. Mit einem Investitionsvolumen von 12 Mrd. Euro samt Nationalstadion und Verkehrsanbindungen zählt das Expogelände zu den größten Infrastrukturprojekten des Landes. Die Bauaufträge wurden mittels eigenem Expo-Gesetz völlig intransparent vergeben, was international für Kritik sorgte. Das riesige Areal soll als Stadtentwicklungsgebiet und Messezentrum weiter genutzt werden, so zumindest die Ankündigung.

Im Oktober finden in Serbien nach monatelangen Protesten gegen Vučić Parlamentswahlen statt. Dass der Wahlausgang die Expo-Pläne durcheinanderbringen bringen könnte, glaubt Netek nicht. Die Expo sei voll im Zeitplan und werde stattfinden, egal wie die Wahl ausgeht.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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