Ratko Mladic ist tot: Der Völkermord trug seine Handschrift

Politik

Drei Jahre lang hatten die Soldaten des bosnisch-serbischen Generals Ratko Mladic die kleine Stadt Srebrenica im Osten Bosniens schon belagert. Tausende muslimische Bosnier waren aus den Dörfern der Umgebung in die Stadt geflohen, dort herrschten Hunger, Not und schiere Verzweiflung. Nur niederländische UNO-Soldaten hielten das belagerte Srebrenica am Leben, sorgten für Lebensmittelnachschub und dafür, dass die bosnisch-serbischen Milizen draußen blieben.

Bis Mitte Juli 1995.

Dann erteilte Mladic, von den Überlebenden nur noch „der Schlächter vom Balkan“ genannt, den Befehl für den größten Massenmord in Europa seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Seine Truppen überrannten die vollkommen wehrlose Stadt, schoben die Blauhelme einfach zur Seite, setzten Frauen und Mädchen in Busse, die der UNO übergeben wurden – und führten alle Männer und Jugendlichen Buben in den Wald. Erst Tage später wurde anhand von Luftaufnahmen sichtbar: Große Gräben waren ausgehoben worden – darin bestattet: An die 8.000 erschossene Männer und Jugendliche. Drei Tage hatte es gedauert, bis Mladic und die politische Führung der bosnischen Serben, mit deren Präsidenten Radovan Karadzic, ihr Ziel erreicht hatten: Die gesamte Region im Osten Bosniens „ethnisch säubern“, alle muslimischen Bosnier vertreiben und alle Männer töten, sodass sie nie wieder zurückkommen können.

Selbst heute, mehr als 30 Jahre nach Kriegsende in Bosnien, sind noch immer nicht alle Getöteten gefunden und geborgen.

Reue zeigte er nie

Es sollte 15 Jahre dauern, bis der vom Kriegsverbrechertribunal in Den Haag per internationalem Haftbefehl gesuchte Ex-General verhaftet wurde. Er hatte sorglos in Belgrad im Haus seines Sohnes gelebt, zu befürchten hatte er von der damaligen Führung in Serbien nichts.

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Es dauerte weitere sechs Jahre, bis Mladic 2017 wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und den Völkermord in Srebrenica zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Gestern, Donnerstag, starb er im Alter von 84 Jahren in einem Gefängniskrankenhaus in Den Haag.

Reue hat er nie gezeigt. Im Gegenteil beteuerte der Militär stets seine Unschuld. Er habe sein Volk nur verteidigt, beharrte der Angeklagte vor Gericht.

Mladic war der Oberkommandant der bosnischen Serben während des drei Jahre tobenden Krieges, der etwa 100.000 Todesopfer forderte und über zwei Millionen Menschen in die Flucht trieb.

Bosnien wird aufgeteilt

Inmitten des Zerfalls der früheren Volksrepublik Jugoslawien, Anfang der 1990er-Jahre, entstand der Plan der Führung der bosnischen Serben: Die kleine jugoslawische Teilrepublik Bosnien-Herzegowina, in der Kroaten, Serben und bosnische Muslime zusammengelebt hatten, sollte in drei Teile zerlegt und von der anderen, jeweils unerwünschten Volksgruppe „ethnisch gesäubert werden“: Ein Teil für die kroatisch bewohnte Herzegowina, ein Teil für die Serben und eine kleine Restmasse für die bosnischen Muslime.

Sarajewos Sniper-Alley

Die ersten Verbrechen unter dem Befehl Ratko Mladics begannen bereits im April 1992 – mit der Belagerung Sarajewos. Bis Kriegsende, drei Jahre später, sollte sie dauern. Tausende Menschen starben unter dem Granatenbeschuss von den umliegenden Bergen herab. Menschen wurden von Mörsergranaten zerfetzt, als sie auf Sarajewos größtem Markt versuchten, ein paar Lebensmittel zu kaufen.

Bis heute sind die rot eingefärbten Löcher des Massakers im Beton zu sehen. Wer an der berüchtigten „Sniper-Alley“ nicht vorbei konnte, musste um sein Leben laufen, um nicht von Scharfschützen getötet zu werden.

Aus unzähligen Dörfern wurden die muslimischen Bewohner verjagt. Gefangenenlager …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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