So ist das neue Buch von Caroline Wahl: Die Hochstapler, das sind immer die anderen

Kultur

„Aber das war jetzt gar nicht so romantisch“, sagt Samara am Schluss, als es im neuen Roman von Caroline Wahl aber gerade eigentlich wirklich romantisch zugeht. Da denkt man sich jedoch schon längst nicht mehr „also was jetzt?“, denn die junge Frau, die man von Bali nach Berlin und in die Berge begleitet hat, hat auf diesem rasanten Weg schon ganz andere Dinge behauptet, die eher nicht so sind, wie sie sagt.

Klar, „1999 Meter über dem Meer“, das neue Buch der Über-drüber-Bestsellerautorin („22 Bahnen“), wird ja auch allseits als Hochstaplerinnenroman verkauft: Eine junge Frau spielt darin dermaßen geschickt mit den Klischeebildern der anderen, dass sie zuletzt im Nobelort St. Moritz bei der dortigen Schickeria als Fotografiekünstlerin durchgeht. Ha, ätsch? Nein, falsch gedacht.

Alles Fassade

Der besondere Spaß an dem neuen Buch ist nämlich, dass es den Hochstapler-Ball an alle weiterspielt: Überall nämlich tun die Menschen das, was von ihnen erwartet wird, um die anderen zu blenden, sie sind so sehr Fassade, dass sie auch im Inneren fassadenförmig werden.

Die Influencer und Selbstfindungsopfer etwa, die am ultimativen Klischeeort Bali ihre Klischeeleben in Klischee-Social-Media-Posts kleiden. All die Hochstapler in der Arbeitswelt, die Samara nur kurz erträgt und mit dem Gedanken „Die sind doch alle so ballaballa“ wieder fluchtartig verlässt.

Die Schönen und Reichen, die sich an der Oberfläche ergötzen und an dieser auch gleich wieder enden.

Und wohl auch die Autorin selbst und ihre Leserinnen und Leser: Wenn alle anderen Hochstapler sind, was ist man dann als Bestsellerautorin? Und wie bereitwillig muss man als Leserin und Leser mitspielen, um hier nicht Spaßverderber zu sein?

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„1999 Meter über dem Meer“ ist ein sehr witziges Buch, ein sehr heutiges, das dadurch auch die eigene Gegenwartskompetenz auf die Probe stellt: Darf, will man über die „woke“ WG lachen, aus der Samara nach einem Steak-Eklat abhaut? Über die doofe Heimatlichkeit an der nächsten Station des Road Novel, dem Allgäu?

Wie steht man zur Schockliebe zum Verbrennermotor, die Samara entwickelt? Und warum ist man so süchtig nach diesen gut ausgehenden Liebesgeschichten, die Wahl erzählt?

Man würde ihre wie selbstverständlich hingeschriebenen Happy Ends immer gerne auch als Fassade lesen, als Trick, mit dem sie einerseits Erfolg herbeischreibt, und bei dem man andererseits auch über den eigenen Emotionstisch gezogen wird. So schön der Mann, klar geht das gut aus. Nimmt hier die Autorin die Samara-Position ein, und schreibt halt das, was am meisten nützt? Und trotzdem, man kommt nicht aus, das zu mögen. Einmal soll etwas gut ausgehen in einer Welt, in der Samara nicht mal ihre Lieblingsmilch schuldgefühlfrei trinken kann, weil der Milchfirmenbesitzer die AfD unterstützt.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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