
Gerät das österreichische Deutsch unter Druck? Oder verschwindet es gar? Eine neue Studie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und der Universität Wien zeigt: Zumindest in der Medienlandschaft halten sich Austriazismen erstaunlich gut.
Grundlage für die Untersuchung war das „Austrian Media Corpus“ der Jahre 2001 bis 2023 mit rund 51 Millionen Presseartikeln und etwa zehn Milliarden Wörtern. Das Ergebnis: Die Häufigkeitsverhältnisse zwischen Austriazismen und ihren „Konkurrenzvarianten“ blieben über den gesamten Zeitraum hinweg „weitgehend stabil“, sagt Sprachwissenschafterin Alexandra N. Lenz. „Wir haben keine Variante gefunden, die verschwunden ist, sondern in der Regel eine Stabilität der Gebrauchsfrequenzen.“
Viele Studien hätten mit kleineren Wortlisten und Befragungen gearbeitet, um Austriazismen zu untersuchen. Dabei habe sich oft gezeigt, dass ältere Generationen bestimmte Austriazismen eher kennen oder verwenden als jüngere. Daraus entstand die Sorge, typisch österreichische Wörter könnten allmählich verschwinden.
Die neue Studie setzte umfassender an: Sie untersuchte nicht nur einzelne Wörter, sondern ganze Variationsfelder (etwa „Haube“, „Mütze“ und „Kappe“). Das Forschungsteam analysierte 76 solcher Wortgruppen – mit Begriffen, die entweder in ganz Österreich oder nur in Regionen als typisch gelten. Bei der Analyse zeigte sich, dass es über die 23 Jahre hinweg kaum Verschiebungen gab. Und: „Die Presselandschaft scheint etwas für die Stabilität der Austriazismen zu tun“, sagt Lenz.
Wie sich Künstliche Intelligenz und große Sprachmodelle auf das österreichische Deutsch und die sprachliche Vielfalt auswirken, will das Team in den kommenden Jahren untersuchen.
Source:: Kurier.at – Kultur



