Oliver Polak: „Trump ist lustiger als viele Kabarettisten“

Kultur

Er zählt inhaltlich zu den härtesten seines Faches, gleichzeitig liebt er Udo Jürgens und die EAV. Wie geht sich das aus? Am 19. September tritt er im Rabenhof mit „Comedy“ auf. Das Interview. 

KURIER: Sie waren zuletzt drei Monate lang als Stipendiat des Thomas-Mann-Hauses in Los Angeles. Was war das für eine Erfahrung für Sie als Comedian? In Europa hat man ja fast den Eindruck, als würde sich alles nur um Trump drehen. Oliver Polak: Ja, hier wollen alle immer über Trump reden. Trump dies, Trump das. Das ist oft pure Ablenkung, um der eigenen Verantwortung zu entfliehen. Die Österreicher und die Deutschen haben doch genügend politische Probleme im eigenen Land. Da ist Trump eine tolle Distraktion. Er ist übrigens oft lustiger als viele deutschsprachige Kabarettisten. Seine Gags sind häufig besser.

Das Problem ist nur, dass es zumeist keine Gags sind. Man muss ihn ernst nehmen. Und er hat den Finger am Abzug des größten Waffenarsenals der Welt.

Halte ich für eine Behauptung. Mir ist es zu einfach, immer Trump für alles verantwortlich zu machen.

Aber warum wählen ihn die Menschen?

Keine Ahnung. In Deutschland wählen die Leute die AfD, weil sie von dem angesprochen werden, was die sagen. Die finden das geil. Wir Menschen ticken da ja alle gleich: Wir sind unzufrieden mit etwas oder mit uns selbst, und wir geben jemand anderem die Schuld. Im Kern ist der Mensch das Problem. Würde irgendein Außerirdischer auf der Welt landen und sehen, was die Menschen mit den Tieren machen, dann würde er denken: Wir müssen den Menschen töten. Wir sind auf gewisse Art und Weise Barbaren. Auch wie wir mit der Welt umgehen, die uns geschenkt wurde.

  Nach Diebstahl im MAK: Kulturministerium verteidigt Sicherheitsstandards in Museen

Wie kam es zu Ihrem Stipendium in den USA? Wie passt ein Radikal-Comedian wie Oliver Polak zu Thomas Mann?

Da muss ich etwas ausholen. Ich hatte mich, bevor ich mit Stand-up anfing, nie groß mit Comedy auseinandergesetzt. Klar, ich war Otto-Fan, ich war Hape-Kerkeling-Fan, es gab auch Loriot – aber der war sanft. Otto hat als erster Deutscher Quatsch gemacht. So wie „Die nackte Kanone“. Man konnte sich, wenn man in der Schule Unsinn gemacht hat, auf Otto berufen. Aber Stand-up existierte nicht wirklich in Deutschland. Als ich anfing, gab es in den USA Sarah Silverman. Ich habe mir „Seinfeld“ abgeschaut. Und als mir mein damaliger Manager gesagt hat, mach’ doch selbst ein Programm, war ich der erste Deutsche, der Stand-up im amerikanischen Stil gemacht hat. 60 Minuten am Stück ohne Pause, keine Verkleidung, keine Figur. Deshalb war Amerika für mich ein großes Thema.

Aber warum nun Thomas Mann?

Ich wollte immer schon länger mal in die USA und nicht nur für ein paar Auftritte. Und dann erzählte mir eine Freundin, dass es dieses Stipendium im Thomas-Mann-Haus gibt. Ich dachte selbst, das ist eher etwas für Philosophen, Forscher, Literaten. Ich vergesse dabei selbst immer, dass ich auch Bücher schreibe. Das Überthema für dieses Stipendium war: „Across boundaries“ – über Grenzen hinweg. Und Stand-up verbindet doch. Wenn du gemeinsam lachst, bekriegst du dich nicht. Dann brauchte ich neben meiner Bewerbung drei Empfehlungsschreiben. Eines …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.