
Helene Winterstein-Kambersky war eine begabte Sängerin der 1920er- und 30er-Jahre. Die Wienerin trat auf hell ausgeleuchteten Bühnen auf. Tränen und Schweiß wegen der Scheinwerferhitze verursachten regelmäßig Probleme mit dem Bühnen-Makeup, das damals meist aus Vaseline und Kohlenstaub bestand. Es verrann und sorgte für schwarze Spuren.
Ein untragbarer Zustand für Winterstein-Kambersky, die unter dem Künstlernamen „Nussy“ auftrat. Und so machte sie sich selbst daran, eine wasserfeste Formulierung zu entwickeln. In ihrer Küche experimentierte sie mit verschiedenen Rezepturen. Rund zweitausend Versuche waren bis zur Entwicklung der ersten wasserfesten Wimperntusche notwendig.
Eine Emulsion aus Wasser, Wachs und Öl
Wachs, Wasser und Öl 1935 ließ sie sich ihre Erfindung patentieren. Das Patent beschreibt eine Emulsion aus Wachs und Wasser, ergänzt um ein flüchtiges Lösungsmittel wie etwa Terpentinöl. Nach dem Auftragen verdampfte dieses, zurück blieb ein wasserunlöslicher Film. Gleichzeitig sollte sich die Farbe mit Seife einfach wieder entfernen lassen. Als Wachs kamen etwa Bienenwachs oder Pflanzenwachse zum Einsatz.
1936 gründete Winterstein-Kambersky ihr Unternehmen La Bella Nussy (auf Deutsch: Die schöne Nussy). Die Wimperncreme kam in kleinen Aluminiumtuben auf den Markt. Beworben wurde sie mit prägnanten Slogans wie: „Keine schwarzen Tränen mehr“. Aufgetragen wurde sie mit einem längs gerollten Papierstäbchen – eine ungewöhnliche Konstruktion, die durch ihre Rillen wie ein Vorläufer der späteren Mascara-Bürste funktionierte.
Das Unternehmen ist bis heute in Familienhand
Das Familienunternehmen hinter La Bella Nussy besteht bis heute. Produktion und Sitz liegen im niederösterreichischen Hinterbrühl. Die Mascara wird weiterhin als Creme in der Tube angeboten – um rund 14 Euro pro Packung. Als Applikator dient mittlerweile ein schwarzes, gerilltes Kunststoffstäbchen. Auch die Inhaltsstoffe wurden für eine bessere Verträglichkeit leicht verändert. Auf die Erfindung von Helene Winterstein-Kambersky ist die Familie stolz: „Nussy hat da eine echte Pionierarbeit geleistet. Sie hat eine Marktlücke erkannt und versucht, diese zu füllen“, sagt Katharina Kambersky dem KURIER. Sie führt das Unternehmen zusammen mit ihrem Mann Marcus Kambersky.
Ihr Betrieb sei „klein und fein“, so Katharina Kambersky. Die Familie verkauft ihre Produkte vor allem über den eigenen Onlineshop. Für die heimischen Drogerieketten sei man wohl zu teuer, so die Unternehmenschefin. „Wir sind nicht das große Massenprodukt, sondern bieten ein exklusives Nischenprodukt an.“ Auch bei der Werbung halte man sich zurück. „Der Connaisseur kennt uns.“
Vom kleinen Wiener Unternehmen zum weltweiten Erfolg
Dass die wasserfeste Wimperntusche in den 1930er-Jahren auch über die Landesgrenzen hinaus zum Erfolg wurde, ist übrigens nicht Winterstein-Kambersky, sondern Helena Rubinstein zu verdanken. Die US-amerikanische Kosmetikunternehmerin, die ursprünglich aus Krakau stammte, erkannte das Potenzial der Wiener Erfindung und erwarb nur kurze Zeit nach der Patentierung die Lizenz zur Produktion der Mascara. Winterstein-Kambersky behielt das Recht, die Rezeptur über ihr eigenes Unternehmen zu vermarkten.
Rubinstein wiederum hatte das Gespür für die große Bühne. 1939 präsentierte sie die „Waterproof Mascara“ auf der New Yorker Weltausstellung. Der Auftritt war perfekt inszeniert: Bei einem Wasserballett konnten die Schwimmerinnen zeigen, dass ihr Augen-Make-up auch im Wasser an Ort und Stelle blieb. Aus der Erfindung einer Wiener Sängerin wurde damit eine internationale Kosmetik-Sensation. Rubinstein vermarktete sie mit großem Erfolg. Später revolutionierte die Unternehmerin die Anwendung erneut: 1958 brachte sie mit der …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



