
Seine ersten druckreifen Zeilen erblickten 1955 ungekürzt das Licht der Öffentlichkeit – eine geharnischte Beschwerde (des damals Neunjährigen!) auf der Leserbriefseite des Wochenblatts Sportfunk. Inhalt: Warum immer so viel über Rapid und so viel weniger über die Vienna (letztmals Meister!) berichtet würde. Der heilige Zorn des blaugelben Döblinger Buam ergoss sich ohne Wissen seiner Eltern in die Spalten. Die hofften auf einen Arzt oder Lehrer, jedenfalls auf „an anständigen Menschen“.
Wolfgang Winheim (kommenden Dienstag 80) wollte als Volksschüler Fußballprofi und als Gymnasiast Diplomat oder Auslandskorrespondent werden. Und siehe da:
All das hat er sich letztlich auch als Sportjournalist erfüllt: In seinen Kolumnen („Tagebuch“) legt er gern den Finger in Wunden, freilich stets als Lehrbeispiel und Botschafter für Fairness mit der feinen Klinge. Aus aller Welt berichtete WW, wie ihn schon drei Generationen an Sportlern und Kollegen adelten, von 16 Olympischen Spielen, neun Fußball- und 18 Skiweltmeisterschaften.
Sogar als Kicker kam er „global“ zur Geltung – in der Rolle des beinharten Abwehrrecken der Sportjournalistenauswahl. Herbert Prohaska (71) schätzt den (jahrzehntelangen) Begleiter seiner Karriere zwar beruflich mit der Analyse „Immer korrekt, trotzdem leiwand“, fußballerisch jedoch als „Erfinder der Blutgrätsche“.
Winheim selbst gesteht, was ihm zum Starkicker fehlte: „Mit Ausnahme von Härte: Alles.“ Aber, wie auch Opernkritiker gern für sich reklamieren: Man muss kein Ei legen können, um zu wissen, dass eines faul ist. Nur: Gackern oder gar Gockeln von der Galerie herab waren nie sein Fach.
Mit Pelé beim Heurigen
Der große Michael Kuhn (jüngst mit 88 verstorben) erinnerte sich 2024 in einer Festschrift: „Für die Krone hat er leider nie geschrieben. Als der 16-jährige Jungspund einst die Redaktionen abklapperte, um sich als Fußballreporter anzubieten, schickte ich ihn zum Test auf den Rax-Platz in Favoriten. Weil es dort kein Münztelefon gab, konnte er erst eine Stunde nach Schlusspfiff anrufen – zu spät jedenfalls.“ So gelang Winheim sein erster Scoop (journalistischer Knüller) mit 19 im KURIER, bei dem er bereits für 45 Schilling (3 Euro 50) pro Unterhauspartie bereits dreizeilige Matchberichte verfasste: „Aber nur, weil mich der damalige Vienna-Sektionsleiter Franz Mandl, der zugleich Heurigenwirt war, in seinem Lokal dem brasilianischen Wunderkicker Edson Arrantes do Nascimento (Anm.: Pelé, insgesamt dreifacher Weltmeister) als eines der größten Nachwuchstalente Wiens vorgestellt hatte. Dass ich in Wahrheit bereits Reporter war, verschwieg ich dem durch Europa auf Hochzeitsreise befindlichen Ehepaar Pelé.“
Der seinerzeitige Sportchef, Heribert Meisel, der selbst mit seiner Interview-Anfrage an die „schwarze Perle“ abgeblitzt war, als der mit der ersten (von drei) Ehefrauen ausgerechnet „Die verkaufte Braut“ in der Oper sah und danach in der „Eden“ tanzte, zweifelte an der Echtheit der Sensation – erst der Bildbeweis überzeugte ihn, wohl mehr zähneknirschend denn lächelnd.
Mit „Hubsi“ auf dem Roller
„Der Mann ist einfach gut“, fasste es Michael Kuhn in wenige Worte, „und ein guter Freund. Das ist auch unter Konkurrenten möglich.“
Ex-ORF-Sportchef Hans „Hubsi“ Huber (82), der im Herbst seine Memoiren vorlegt, sieht sich zu Recht als nicht unwesentlicher Wegbereiter Winheims: „Er wollte eigentlich Bodenkultur studieren – ich überredete ihn zur Publizistik. Wir sind auf einem Roller zu Wiener Liga-Partien gefahren – die Uni blieb bald …read more
Source:: Kurier.at – Sport



