Das Beratungsunternehmen Deloitte hat die Österreicher zu ihrer Smartphone-Nutzung befragt. Die Ergebnisse wurden diese Woche veröffentlicht und überraschen nicht – bis auf ein Detail.
Die Österreicher verbringen zu viel Zeit auf ihrem Handy. Zwei Drittel scrollen mindestens zwei bis drei Stunden am Tag, auch direkt nach dem Aufstehen. Die Nutzung wollen viele reduzieren, doch das bemerkenswerte Detail ist ein anderes. Für berufliche Angelegenheiten sind 78 Prozent auch außerhalb der Arbeitszeit auf ihrem Handy erreichbar. Als Belastung empfinden das aber nur 20 Prozent. 27 Prozent bewerten die Dauer-Erreichbarkeit sogar als klar positiv.
Mails im Urlaub zu checken, jeden beruflichen Anruf in der Freizeit entgegenzunehmen, ist ein zweischneidiges Schwert, weiß HR-Expertin und Gründerin von Zweiblick-Consulting Manuela Vorwerk. Sie verrät, wann es wichtig ist, das Smartphone ruhen zu lassen und in welchen Momenten es in Ordnung ist, proaktiv auf der Strandliege den digitalen Posteingang zu checken.
Freiwillig dauer-erreichbar sind nicht nur Workaholics
Manuela Vorwerk hält fest: Eine allgemeine Grundregel gibt es nicht. Es hängt wie so oft von der Person und Situation ab. Vielleicht läuft gerade die heiße Phase eines Projekts, vielleicht ist der Job aber auch das Zentrum des Lebens, wobei Manuela Vorwerk daran erinnert, dass Lebensbereiche im Idealfall ausgeglichen sein sollten.
„Es gibt Menschen, für die ist es im Urlaub richtig entspannend, kurz die Mails zu checken und zu wissen, es ist alles in Ordnung. Dann gibt es Menschen, die brauchen den totalen Cut“, sagt die HR-Expertin. Beides sei legitim. Aber es gibt wichtige Fragen, die man sich stellen sollte, wenn man entscheidet, immer erreichbar zu sein:
Mache ich es freiwillig oder gibt es eine Erwartungshaltung?
Ist es mein Arbeitsstil oder der Gruppendruck, weil andere es so handhaben?
Kann ich danach abschalten oder denke ich dauernd darüber nach?
„Kläre ich in der Freizeit oder im Urlaub ständig Berufliches und beeinträchtigt es das Privatleben, bin ich nirgendwo gescheit. Man darf nicht vergessen, welche Wirkung man damit auf sein Umfeld hat, vor allem, wenn man Kinder hat“, erinnert die Expertin. Doch auch im beruflichen Kontext könne Dauer-Erreichbarkeit auf Ablehnung stoßen.
Abschalten und vertrauen ist eine Führungsqualität
„Wenn ich nie loslasse, kann das auch negativ wahrgenommen werden. Weil ich mich vielleicht nicht gut genug organisiert habe.“ Eine weitere Möglichkeit wäre, von der „Fear of Missing Out“ getrieben zu sein, also von der Angst, etwas zu verpassen. Ab und zu im Job entbehrlich zu sein, wäre aber nichts Schlechtes, entwarnt der HR-Profi. „Es geht darum, wie sehr ich meinem Team vertraue“, sagt sie.
Wenn mich mein Team bei jeder Kleinigkeit anruft, ist die Frage, wie selbstständig erziehe ich sie? Zu lernen, Verantwortung abzugeben, ist für eine Führungskraft ganz entscheidend.
Manuela Vorwerk
Manuela Vorwerk blickt dabei auf ihre eigene langjährige Karriere innerhalb eines Konzerns zurück. In den Phasen, in denen sie sich als Führungskraft zurücknahm und die Verantwortung ihrer Mitarbeiterin überließ, habe diese am meisten gelernt und sich weiterentwickelt. „Sie konnte mich anrufen, wenn es brennt, aber als Mitarbeiterin ist man stolz, den Chef nicht anrufen zu müssen. Und mich hat es stolz gemacht, ihr beim Wachsen zuzuschauen.“
Ob manche Hierarchiestufen eine Dauer-Erreichbarkeit voraussetzen, würde Manuela Vorwerk nicht mit einem klaren …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



