ORF-Programm: Vor 25 Jahren endete die Ära der Ansagerinnen

Kultur

Was den Bekanntheitsgrad betrifft, lagen die Programmansagerinnen des ORF gleich nach dem Bundespräsidenten – wenn nicht sogar davor. Bis in die 1980er-Jahre gab es nur zwei Fernsehkanäle im Land (damals FS1 und FS2) und wer am Abend fernschauen wollte, kam an den elegant gekleideten Damen nicht vorbei. Ab 1955 gab es den Beruf der Ansagerin, die die einzelnen Programmpunkte vorstellte. In der Stunde null war Franziska Kalmar der erste TV-Star.

Frühe Castingshow

So wichtig war die Funktion, dass 1967 sogar eine TV-Castingshow veranstaltet wurde, moderiert vom deutschen Großmoderator Hans-Joachim Kulenkampff. 4.000 Anmeldungen gab es für den „Sprecher- und Sprecherinnen-Wettbewerb“ – Gendern war in diesem Fall damals unumgänglich. Gewonnen hat Eva Maria Klinger – und wurde über Nacht in ganz Österreich bekannt. „Damals waren Frauen entweder Putzfrauen, Sekretärinnen oder Sprechpuppen“, sagte sie einmal der APA. „Wir durften die Texte ja auch gar nicht selber schreiben, sondern mussten die paar Sätze, die wir bekommen haben, auswendig lernen.“ Klinger, die in Theaterwissenschaft promovierte, und später Kulturredakteurin wurde, kämpfte darum, ihre Texte selber zu schreiben.

Das war auch Chris Lohner wichtig, eine weitere ehemalige „Ansagerin der Nation“. Chris Lohner: „Ich habe den Job so verstanden, dass man wegführt von einem Programmpunkt und zum nächsten hindreht. Von einem mörderischen Krimi zu ,Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht‘. Und so habe ich auch meine Texte gemacht.“

Bei aller Routine sei auch experimentiert worden: „Lange Zeit sind wir neben so einem komischen Pult gestanden, dann sind wir gesessen. Nur gelegen sind wir nicht“, erzählt die heute 83-Jährige.

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Der Einstieg um 20.15 Uhr sei immer live gewesen, sagt sie, die Programmvorschau wurde knapp vor Sendebeginn aufgezeichnet. Als frühe Influencerinnen wolle sie die „Damen ohne Unterleib“, wie es damals hieß, nicht bezeichnen, „aber ich weiß, dass die Leute sich sehr wohl orientiert haben an dem, was wir anhatten. Das war ja immer das Thema: Was hat sie an? Meistens hatte ich Jeans an, weil ich eh nur immer bis zur Taille zu sehen war.“

Pubertät des Fernsehens

Schon vor ihren humoristischen Einsätzen in den Kultkrimis „Kottan ermittelt“ sei sie für witzige Sachen gestanden. „Daher habe ich immer gern den 1. April gemacht“, sagt Lohner und rezitiert: ,Eine Verlautbarung in eigener Sache. Wir haben jetzt ein anderes Format und ersuchen Sie, Ihre Fernsehgeräte hochkant zustellen.‘ – Ich mein’ damals gab es ja noch diese Kisten von Fernsehern. Und dann habe ich wie üblich das heutige Programm erzählt und zum Schluss hab ich gesagt: ,Am 2. April können Sie das dann wieder ändern.‘“

Sie bezeichnet die Zeit als „Pubertät des Fernsehens, und dadurch war das eigentlich relativ entspannt. Heute lachen sie, glaub ich, nicht mehr so viel.“

1973 kam Lohner als 29-Jährige zum ORF, nachdem sie eine Zeit lang gemodelt hatte und eine Schauspielausbildung machte. Der Job sei nur als Überbrückung vor dem ersten Theaterengagement gedacht gewesen. Lohner: „Ich wusste nicht einmal, was eine Fernsehsprecherin ist. Ich war zwischen Paris, Düsseldorf und Zürich unterwegs und mit 23 hast du was anderes zu tun als fernschauen. Ich habe dann beim ORF einen Test gemacht und das war’s. Ich war …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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