NÖM: Milch in Österreich wird noch im September teurer

Wirtschaft

Die Dürre in den vergangenen Monaten hat auch österreichische Milchbauern hart getroffen. Das Futter für die Kühe wird knapp, dazu kommen Rückgänge bei der Milchleistung. Österreichs größte Molkereigenossenschaft, die NÖM, hat Anfang der Woche ein Hilfspaket geschnürt. Milchbauern werden 8,1 Mio. Euro zur Verfügung gestellt, um nötiges Futter zuzukaufen und Saatgut für den Wiederaufbau beschaffen zu können. 

Der KURIER hat NÖM-Vorstand Josef Simon zur Lage der heimischen Milchbauern befragt. 

KURIER: Wie sieht die aktuelle Versorgungslage bei Rohmilch aus? Müssen Sie Abnahmemengen steuern, weil Lieferanten Herden verkleinern oder Tiere notschlachten?

Josef Simon: Die NÖM verfügt derzeit weiterhin über eine stabile Rohmilchversorgung. Ziel der Dürrehilfe ist es gerade, die Versorgung der Tiere sicherzustellen und die wirtschaftliche Stabilität der Betriebe zu unterstützen. Die Maßnahme soll dazu beitragen, dass Lieferanten dringend benötigtes Futter zukaufen können und ihre Produktion aufrechterhalten bleibt, sie Planungssicherheit haben und keine vorschnellen Entscheidungen aus wirtschaftlicher Not heraus treffen müssen. 

Wie kommt die Summe zustande? 

Die Höhe der Unterstützung richtet sich grundsätzlich nach der im Jahr 2025 angelieferten Milchmenge. Daraus ergibt sich ein maximal möglicher Förderbetrag von 1,6 Cent pro Kilogramm Milch. Voraussetzung für die Auszahlung ist jedoch, dass die durch die Dürre entstandenen Mehrkosten mittels Rechnungen und Belegen nachgewiesen werden können. Damit stellen wir sicher, dass die Unterstützung dort ankommt, wo die wirtschaftlichen Belastungen durch die Dürre tatsächlich entstanden sind.

Welche Betriebstypen sind am stärksten betroffen?

Die Dürre trifft Betriebe unterschiedlich stark, abhängig von regionalen Niederschlagsmengen, Futtererträgen und betrieblichen Reserven. Grundsätzlich sind besonders jene Betriebe betroffen, deren Futtererträge massiv zurückgegangen sind und die frühzeitig Winterreserven einsetzen oder zusätzlich Futter zukaufen müssen. Die Unterstützung der NÖM erfolgt jedoch unabhängig von der Betriebsgröße und der Produktionsform. Die Betriebsgröße hat keinen Einfluss auf die Gewährung der Hilfe. Entscheidend sind ausschließlich die tatsächlich entstandenen Mehrkosten, die durch entsprechende Belege und Rechnungen nachgewiesen werden.

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Reicht das verfügbare Futter in Österreich? Sehen Sie Risiken, dass durch den großflächigen Futterzukauf regionale Preisspitzen entstehen, die auch Ihre Produkte verteuern?

In Österreich besteht derzeit ein erheblicher Versorgungsengpass bei Futtermitteln. Durch Ernteausfälle sind Futtermittel teilweise knapp geworden, die Kosten haben sich in vielen Bereichen deutlich erhöht oder sogar verdoppelt. Diese Entwicklung belastet die landwirtschaftlichen Betriebe massiv und wird auch langfristige Auswirkungen haben. Unsere Einschätzung ist, dass sich die gestiegenen Produktionskosten und die Verknappung von Futtermitteln mittelfristig auch in den Preisen widerspiegeln werden.

Die Milchpreise werden steigen?

Der Milchpreis wird sich im Herbst wieder nach oben entwickeln. Einen ersten Schritt erwarten wir bereits ab September. Davon ausgehend sollte er sich moderat weiter nach oben entwickeln. Wie stark diese Entwicklung ausfallen kann, wird wesentlich von der weiteren Entwicklung der Anlieferungsmenge abhängen.

Zieht NÖM aus der Dürre 2026 strategische Konsequenzen, etwa mehr regionale Futterkooperationen oder langfristige Verträge mit Mindestmengen und -preisen?

Jetzt geht es zunächst darum, rasch und unbürokratisch zu helfen und die unmittelbare Notlage der Milchviehbetriebe zu lindern. Die aktuellen Herausforderungen zeigen aber auch, dass wir uns verstärkt mit der langfristigen Absicherung der Futterversorgung und der wirtschaftlichen Stabilität der Betriebe beschäftigen werden und in unsere strategischen Überlegungen gemeinsam mit unseren Eigentümern und den bäuerlichen Vertretern einfließen lassen.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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