
Wenn diese Gräfin auf die schönen Zeiten zurückblickt, beginnt Mozarts Musik zu schweben. Elsa Dreisig verkörpert zum ersten Mal an der Wiener Staatsoper die Contessa in der „Hochzeit des Figaro“.
So betörend schön und so innig hört man das „Dove son“ selten. Das wie helles Silber gleißende Timbre ihres Soprans, der in allen Lagen schön klingt, leuchtet wie ein kühler Lichtstrahl und lässt den Schmerz dieser jungen Frau spüren.
Das wirkt wie ein Kontrast zu ihrer ersten Arie, dem „Porgi Amor“, bei dem sie sublim jedes übertriebene Pathos ausspart und ernüchtert von der Abkehr ihres Gatten ans Sterben denkt. Großartig!
Florian Sempey ist ein passionierter Graf mit vokaler Power, die er auch gut zügeln kann. Ganz natürlich changiert er zwischen Noblesse und Naivität. In Barrie Koskys Inszenierung soll der Graf seiner Frau Gewalt antun, das erledigt er mit Zurückhaltung.
Andrea Carroll tobt sich als Susanna mit ihrer Lust am Spielen aus. Sie setzt auf eine gewisse Bodenständigkeit, die auch in ihrem Gesang zu spüren ist. Sie ist eine junge Frau, die weiß, wie man die Herren herumkriegt.
Riccardo Fassi verlegt als Figaro seinen Schwerpunkt auf Slapstick, zeigt, dass er mit einem Besen jonglieren kann. Dunkle vokale Farben und verschliffene Vokale überwiegen bei diesem Sänger. Dass er in dieser Aufführung besser zu hören ist als bei der Aufführung im Jänner, liegt vor allem an Dirigent Patrick Hahn.
Dass der 31-jährige Grazer Erfahrung im Orchestergraben hat – er war bereits Generalmusikdirektor in Wuppertal -, merkt man sofort daran, wie er Umsicht mit Frische verbindet. Rasant führt er nicht nur durch die Ouvertüre. Er setzt deutliche Akzente und gleicht kleine Wackler sofort aus. Penibel achtet er auf das Ensemble auf der Bühne, das in Koskys Inszenierung ständig in Bewegung ist, vor allem Cherubini in der ersten Arie, den Alma Neuhaus tapfer bewältigt. Solide sind die kleineren Partien besetzt. Kurzer, intensiver Applaus.
Source:: Kurier.at – Kultur



