ABA-Chef Tritscher: „Viele Anfragen für Rechenzentren in Österreich“

Wirtschaft

Die Umsetzung der Industriestrategie 2035 sieht eine Aufwertung der beim Wirtschaftsministerium angesiedelten Austria Business Agency (ABA) vor. Die Standortagentur mit rund 60 Mitarbeitern soll als Investment- und Talentehub in den definierten Schlüsseltechnologien aktiv werden und gezielt ausländische Unternehmen und Fachkräfte ins Land holen.

„Wir begleiten internationale Unternehmen von der ersten Anfrage bis zur Umsetzung von Expansionsprojekten im Land“, erläutert ABA-Geschäftsführer René Tritscher im Gespräch mit dem KURIER. Verstärkt gehe es darum, bereits im Land befindliche Unternehmen zu motivieren, dass sie bleiben und hier mehr investieren. Dies geschieht etwa durch bessere Vernetzung mit Universitäten und Forschungseinrichtungen oder gezielte Fachkräfteanwerbung.

Der Fokus liegt auf Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz (KI), Halbleiter, Robotik, Quantentechnologien sowie Energie- und Umwelttechnik. Im ersten Halbjahr konnte die ABA bereits erste Erfolgsgeschichten vermelden. So errichtete die US-amerikanische Krypto- und Fintech-Plattform Bybit, einer der größten Anbieter weltweit, ihre Europa-Zentrale in Wien und will von hier expandieren. 

Ausschlaggebend dafür war das professionelle regulatorische Umfeld in Österreich, hieß es bei der Standorteröffnung. Das US-Unternehmen Ketryx machte Wien zum zentralen Forschungs- und Entwicklungszentrum. Rund 40 Mitarbeitende entwickeln hier Compliance-Software für Unternehmen aus der Life-Sciences- und Medizintechnikbranche.

Expansionsschritte setzte der Energiekonzern Siemens Energy, der seine Produktionskapazitäten in Linz und Weiz/Steiermark ausbaute. Und auch der Elektronikkonzern Philips, der in Klagenfurt Schallzahnbürstenköpfe produziert, erweitert dort die Kapazität von 30 auf 60 Millionen Stück.

In der Umwelttechnik macht das slowenische Batteriespeicher-Unternehmen NGEN mit ambitionierten Projekten von sich reden. Im Bezirk Braunau ging nach nur sechs Monaten Bauzeit kürzlich eines der leistungsstärksten Batteriespeicherkraftwerke Europas in Betrieb. Weitere große Batteriespeicher befinden sich bereits in Kärnten und in der Steiermark.

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Rechenzentren als Cluster

Großes Potenzial für den Standort sieht Tritscher bei Rechenzentren. Da gebe es viele Anfragen von großen ausländischen Unternehmen, hier langfristig zu investieren. Dabei gehe es nicht nur um das Datacenter allein, sondern um ganze Ökosysteme rundherum, die Arbeitsplätze in der Region schaffen würden. 

Den zunehmenden Widerstand in der Bevölkerung und emotional geführte Debatten kann Tritscher nicht ganz nachvollziehen, schließlich würde jeder ein Smartphone nutzen und dafür brauche es Rechenzentren. 

„Wenn alles sorgsam geplant ist, die Bevölkerung miteingebunden wird und die Zentren von der Größe her auf Österreich zugeschnitten sind, ist das eine große Chance für eine Region“, argumentiert er. Unterschiedliche Zuständigkeiten und lange Verfahren seien nicht förderlich und würden Projekte verzögern.

Fachkräfte-Anwerbung in Mexiko und Brasilien

Bei der Anwerbung von IT-Fachkräften setzt die ABA verstärkt auf Lateinamerika, vor allem Mexiko und Brasilien. Erste erfolgreiche Projekte laufen bereits mit den ÖBB oder Alpla. „Die Fachkräfte aus Mexiko sind sehr gut ausgebildet und mobil“, so Tritscher. 

Auch Südostasien ist eine Schwerpunktregion. Durch Abkommen mit den Ländern würden Deutschkurse forciert und Berufsausbildungen schneller anerkannt. Verstärkt geworben wird auch um Studierende aus Drittstaaten, die nach dem Abschluss in Österreich bleiben sollen. Für den weiteren Aufenthalt gibt es Erleichterungen bei der Rotweißrot-Karte.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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