Wiener Stadttempel erstrahlt zum 200-Jahr-Jubiläum in neuem Glanz

Wirtschaft

Im September feiert der Wiener Stadttempel in der Seitenstettengasse im 1. Bezirk sein 200-Jahr-Jubiläum. Pünktlich zu diesem Ereignis erstrahlt das Gebäude in neuem Glanz. Im Auftrag der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG) und unter der Leitung von Kenh Architekten fanden rund zehn Monate lang umfassende Arbeiten in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt statt. Das Investitionsvolumen für die Restaurierung und Sanierung der größten Synagoge Österreichs sowie die anschließende Sanierung des zugehörigen Gemeindezentrums beläuft sich auf 10,5 Millionen Euro. 

Viele Nutzer in einem Haus

Der Stadttempel ist das spirituelle Zentrum der jüdischen Gemeinde in Wien. Er ist die einzige Synagoge, die während der Novemberpogrome 1938 nicht komplett niedergebrannt wurde.

Wie das Judentum selbst ist der von Joseph Kornhäusel 1826 erbaute Wiener Stadttempel ein Teil Österreichs und das Interesse an der Hauptsynagoge der IKG ist enorm: Allein im Jahr 2023 besuchten mehr als 12.000 Menschen im Rahmen von Führungen den Wiener Stadttempel. Die Nutzer könnten allerdings nicht unterschiedlicher sein wie Architektin Natalie Neubauer-Muzicant erklärt.

„Es kommen Schulklassen im Rahmen des Religionsunterrichts, das sind 120 bis 150 Schüler pro Tag, plus Touristen, plus Gemeindemitglieder, die beten, plus mehr als 100 Mitarbeiter der IKG, die hier arbeiten. Daher wurde auch ein Konzept zur Entflechtung der Nutzergruppen erarbeitet.“

Seit der letzten Sanierung sind fast vierzig Jahre vergangen und der Wiener Stadttempel ist bautechnisch in die Jahre gekommen. Neben der Wiederherstellung der historischen Anmutung des Raums sowie Verbesserungen im Bereich der Akustik, des Raumklimas und der Barrierefreiheit dient die Restaurierung und Sanierung auch der Modernisierung der Gemeindeinfrastruktur. 

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Die Sanierung umfasst die dreigeschoßige Synagoge, die im Innenhof eines Häuserblocks errichtet wurde, die Einfahrt, das Vestibül, das Foyer sowie die Fassade. Um den Stadttempel klimafit zu machen, wurden moderne Heiz- und Kühlsysteme installiert. Bei all diesen Arbeiten wurden auch die besonders hohen Anforderungen an die Sicherheitsinfrastruktur berücksichtigt. Die neue Sicherheitsschleuse aus Glas fügt sich fast unsichtbar in das Gebäude ein.

Das Gebäudeensemble hat schon viele Umbauten erlebt. „Im Zuge der Arbeiten stießen wir immer wieder auf Originalteile, die einfach verbaut wurden“, schildert Architekt Eric-Emanuel Tschaikner. So wurde etwa der Steinsockel in der Einfahrt freigelegt und restauriert. Auch der Original Steinboden im Innenhof wurde wieder hergestellt. Unter der Bima (Gebetskanzel) wurde ein 200 Jahre alter Boden aus Budapester Marmor entdeckt,  fehlende Steine konnten ergänzt werden.   

Die neuen Bänke der Synagoge nehmen die Rundung des Raumes wieder auf, wie es schon ursprünglich bei Joseph Kornhäusl war. „Wir haben hier ein Projekt, das stark in die Vergangenheit schaut, aber fit für künftige Anforderungen sein möchte“, so Tschaikner. Natalie Neubauer-Muzicant ergänzt: „Unser Anspruch war es, die Ausstattung trotz Tradition ins hier und jetzt zu bringen.“ Dazu gehört auch ein eigens von Kenh designtes Brunnenelement  zum rituellen Händewaschen. Das steht jetzt zentral unterhalb des Oberlichts.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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