
Es ist eine Zäsur: Mehr als 20 Jahre nach dem Sturz von Saddam Hussein im Irak und nach jahrelangen, erbitterten Kämpfen gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ziehen die letzten US-Soldaten aus dem Irak ab.
Am Mittwoch soll der Abzug formell abgeschlossen sein. Kriege, Vertreibung, Terrorismus und politische Unruhen haben tiefe Spuren hinterlassen. Ohne das US-Militär beginnt eine neue Phase der Ungewissheit.
Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:
Warum ziehen die US-Truppen jetzt ab?
Formell beschlossen wurde der Schritt 2024. Der US-Kampfeinsatz endete bereits 2021, und die zuletzt etwa 2.500 US-Soldaten waren nur noch als Berater und Ausbilder im Land. Schon 2011 waren die Truppen komplett abgezogen – doch dann rückte die IS-Terrormiliz von 2014 an im Irak und in Syrien vor und stellte auch die USA und den Rest der Welt vor eine neue Bedrohung.
Der Abzug ist eine der wichtigsten Forderungen von Iraks Ministerpräsident Ali al-Saidi und den mächtigen, mit Iran verbündeten Milizen im Land. Diese sollten eigentlich parallel zum US-Abzug ihre Waffen abgeben. Der Schritt wurde nun aber auf Juni 2027 verschoben – Erfolgschancen ungewiss.
Wie begann der US-Militäreinsatz im Irak?
Das hat mit den Terroranschlägen im September 2001 in den USA zu tun. Der damalige US-Präsident George W. Bush rief einen globalen „Krieg gegen den Terror“ aus und prägte den Begriff der „Achse des Bösen“: Damit brandmarkte er den Iran, den Irak und Nordkorea, Terrornetzwerke zu unterstützen.
Die USA warfen dem damaligen irakischen Machthaber Saddam Hussein vor, Verbindungen zu Al-Kaida zu haben und Massenvernichtungswaffen anzustreben. Beides stellte sich später als falsch heraus. Dennoch marschierten die USA 2003 mit Verbündeten im Irak ein und stürzten Hussein, während dessen brutaler Herrschaft Hunderttausende ums Leben kamen.
Was war die Bilanz bis 2011?
Der Einmarsch gilt unter vielen Historikern als schlechteste Entscheidung der US-Außenpolitik der Geschichte. Es folgten Jahre von Aufständen, Chaos und Gewalt zwischen schiitischen und sunnitischen Gruppen, bei denen etwa 4.500 US-Soldaten und Zehntausende Iraker getötet wurden. Auch Fotos von Häftlingen im irakischen Gefängnis Abu Ghraib gingen um die Welt, gefoltert und misshandelt von US-Militär.
In dem Krieg und danach steigerten der Iran und mit ihm verbündete Milizen ihren Einfluss deutlich. Das Machtvakuum stärkte auch Al-Kaida und führte später zum Entstehen des IS. Die Gesamtkosten des Kriegs wurden auf bis zu drei Billionen US-Dollar beziffert. Zeitweise waren mehr als 160.000 US-Soldaten im Land stationiert.
Warum folgte 2014 ein weiterer Einsatz?
Mit der blitzartigen Expansion der sunnitischen IS-Terrormiliz ab 2014 kehrten US-Truppen auf Gesuch Bagdads zurück. Im ausgerufenen „Kalifat“ des IS wurden Schiiten und die jesidische Minderheit ermordet und die Welt mit Videos von Hinrichtungen in Schrecken versetzt. Terroranschläge brachten die Gefahr des IS bis nach Europa und in die USA.
Mit der US-geführten „Operation Inherent Resolve“ (OIR), der sich mehr als 80 Länder anschlossen, begann der Kampf um die Befreiung des Iraks und Syriens von der IS-Gewaltherrschaft. Die verlustreichen Schlachten zogen sich teils über Wochen und Monate. Die britische Organisation Airwars zählte 1.400 Tote der US-Koalition und schätzungsweise bis zu 13.000 getötete Zivilisten.
Der Sieg nach Zehntausenden Luftangriffen war nur möglich mit Hilfe örtlicher Bodenkämpfer, darunter kurdische Peschmerga. Heute konzentriere sich der …read more
Source:: Kurier.at – Politik



