Bittere Pleite eines Start-ups für die Analyse von Online-Radikalisierung

Wirtschaft

„Das Software Start-up KIVU, gegründet von Robert Wesley, Jan van Oort und Christian Weichselbaum, entwickelt sich weiter. In den letzten drei Jahren entstand eine Netzwerkanalyseplattform, mit deren Hilfe Analysten miteinander vernetzte Daten analysieren können. Jetzt soll die Plattform auch den Faktor Zeit miteinbeziehen. Dadurch können Userinnen und User auch Entwicklungen und Änderungen in den Daten, die über einen gewissen Zeitrahmen passieren, visualisieren und analysieren. So werden vernetzte Daten in einer Art Zeitreise dargestellt“, so das aws auf ihrer Homepage. „Durch die Analyse von vernetzten Knotenpunkten kommen neue Muster in den Daten zum Vorschein, die durch statische Auswertung nicht in Erscheinung getreten wären. Die Plattform ist sowohl als Sicherheitstechnologie als auch zur Analyse von Betrugsnetzwerken geeignet. Durch das zeitliche Analysefeature und die intuitive Oberfläche, für deren Nutzung keine speziellen IT-Kenntnisse erforderlich sind, ist das Produkt von KIVU Technologies derzeit konkurrenzlos.“

Über das Vermögen der KIVU Technologies GmbH mit Sitz in Wien wurde laut Creditreform am Handelsgericht Wien ein Insolvenzverfahren eröffnet. Laut Insolvenzantrag sind keine Dienstnehmer betroffen.

„KIVU Technologies hatte sich auf die Entwicklung einer Graph-Datenbank mit Visualisierungsplattform spezialisiert. Die Technologie sollte vor allem Behörden ermöglichen, Online-Radikalisierung im Internet zu beobachten und zu analysieren. Auf der Datenbank wurden zusätzlich Machine-Learning- und Natural-Language-Processing-Komponenten zur Klassifizierung von Inhalten aufgebaut“, so das Unternehmen.

Die Seed-Finanzierung

Bereits im September 2017, noch vor dem offiziellen Marktstart, konnte das Unternehmen eine Seed-Finanzierungsrunde in Höhe von 1,8 Millionen Euro abschließen. Angeführt wurde die Runde vom aws Gründerfonds und btov Partners (heute Matterwave). Beteiligt waren außerdem APEX Ventures sowie die Angel-Investoren Ewald Hesse und Louis Curran.

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In den Folgejahren baute KIVU verschiedene Geschäftsfelder und Kooperationen auf. Unter anderem wurde gemeinsam mit Trovicor eine Lizenz in den Oman verkauft, und Sail Labs, später Hensoldt Analytics, als Vertriebspartner gewonnen und ein Pilotprojekt mit dem Österreichischen Bundesheer durchgeführt. Zur Finanzierung der Geschäftstätigkeit wurden mehrere Bridge-Finanzierungsrunden durchgeführt. Während der COVID-19-Pandemie nahm das Unternehmen Mittel aus dem COVID-19-Hilfsfonds sowie eine Double-Equity-Förderung in Anspruch.

Geplante Übernahme scheiterte

Im Juni 2023 schloss KIVU ein Term Sheet mit der deutschen Document One GmbH ab. Ziel war die Übernahme von KIVU und die Integration der entwickelten Technologie in die Systeme von Document One. Der deutsche Partner übernahm in der Folge weitgehend die laufenden Kosten des Wiener Unternehmens. Parallel dazu liefen Verhandlungen mit dem aws, da die bestehenden Förderbedingungen im Falle eines „Change of Control“ Zustimmungen erforderten.

Im August 2026 wurde über das Vermögen der Document One GmbH ein Insolvenzverfahren eröffnet. Damit fiel nicht nur der Kostenträger weg, sondern auch die Grundlage für die geplante Übernahme und Finanzierung. Eine alternative Finanzierung konnte laut Insolvenzantrag nicht mehr gesichert werden.

Keine Bankverbindung mehr

Geschäftsführer Christian Weichselbaum, der seit 2019 das Unternehmen allein führte, hat der sofortigen Unternehmensschließung zugestimmt. Das 2016 gegründete Wiener Software-Unternehmen hat Verbindlichkeiten in Höhe von rund 147.000 Euro. Ein Kostenvorschuss von 4.000 Euro wurde hinterlegt. Das Unternehmen unterhält keine Bankverbindungen mehr.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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