
Das Ende kam überraschend: Der belgische Tiefkühlgemüse-Konzern Ardo schließt sein Produktions- und Verpackungswerk in Groß-Enzersdorf. Es wird von der Ardo Austria Frost GmbH betrieben. Für rund 500 Gemüsebauern im Marchfeld bedeutet das den Verlust ihres Hauptabnehmers – und für manche womöglich das wirtschaftliche Aus.
Die angekündigte Schließung sei ein „schwerer Schlag“, teilten Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und ihr Stellvertreter Stephan Pernkopf (alle ÖVP) am Freitag mit.
Die Zahlen zeigen die Dimension: Auf 3.300 Hektar bauen die Betriebe Grünerbsen, Gemüsesoja, Buschbohnen, Spinat, Karotten, Kohlgemüse und Kräuter an. Allein 2025 lieferten sie 40.000 Tonnen Rohware im Wert von 18,5 Millionen Euro an Ardo. Die Landwirte sind in der Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG) organisiert, die fast ausschließlich an Ardo liefert.
Die Ardo Austria Frost machte laut der zuletzt beim Firmenbuchgericht eingereichten Bilanz für das Geschäftsjahr 2024/2025 einen Umsatz in Höhe von 80,49 Millionen Euro, nach 83,29 Millionen Euro im Jahr 2023/2024. Der Jahresgewinn betrug 1,86 Millionenn Euro, der Bilanzverlust wurde mit 23,38 Millionen Euro beziffert.
Investitionen stehen auf dem Spiel
„Viele Betriebe haben im Vertrauen auf diese Partnerschaft erheblich investiert – in spezialisierte Erntemaschinen, moderne Technik und die Weiterentwicklung ihrer Gemüseproduktion“, sagt Lorenz Mayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich. Er fordert von Ardo rasch Klarheit über den Zeitplan und die Pläne für den Standort.
Das Werk wird seit 2008 von Ardo geführt. In dieser Zeit entwickelten Konzern und Bauern gemeinsam neue Produktlinien. Ein Beispiel: Edamame, die grüne Gemüsesoja aus Asien, wird heute im Marchfeld auf 900 Hektar angebaut – ein Nischenprodukt, das spezielles Know-how und Maschinen erfordert
Blattgemüse-Produktion vor dem Ende
Besonders hart trifft die Schließung die Produzenten von Blattgemüse wie Spinat. Ohne den Verarbeitungsstandort fehlt die einzige regionale Infrastruktur für die Tiefkühlverarbeitung. Alternative Abnehmer in der Region gibt es nicht. „Wenn die Verarbeitung wegfällt, gefährden wir eine gesamte Produktionskette, die sich nicht von heute auf morgen wieder aufbauen lässt“, warnt Karl Auer, Obmann des Niederösterreichischen Gemüsebauverbandes.
Auch für die Region ist der Verlust schmerzhaft. Nach der Schließung der Zuckerfabrik in Leopoldsdorf droht dem Marchfeld nun der zweite große Verarbeitungsstandort für landwirtschaftliche Rohstoffe verloren zu gehen. Betroffen sind neben den Landwirten auch Arbeitsplätze bei der ETG sowie bei Logistik- und Dienstleistungsunternehmen. Wie viele Mitarbeiter Ardo selbst am Standort beschäftigt, ist bekannt: 190 eigene Mitarbeiter und 50 Leiharbeiter.
Das sagt Ardo
„Im Rahmen der strategischen Überprüfung des operativen Netzwerks von Ardo wurde auch die Rolle der Ardo Austria Frost GmbH analysiert. Basierend auf einer gründlichen Analyse der Investitionserfordernisse, der Kostensituation und des Marktpotenzials beabsichtigt Ardo, das Werk in Groß-Enzersdorf zu schließen. Obwohl Ardo in den letzten Jahren Millionen in neue Produktionslinien investiert hat, ist das Werk veraltet und würde erhebliche Investitionen in Produktion, Verpackung, Lagerhaltung und Infrastruktur erfordern“, heißt es in einer Aussendung. „Angesichts der Entfernung zum westeuropäischen Markt und der begrenzten Kostenwettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu zentral- und osteuropäischen Ländern kann der österreichische Produktionsstandort nur für den heimischen Markt gerechtfertigt werden. Die erforderlichen Investitionen wären jedoch zu hoch für einen relativ kleinen, inländischen Markt.“ Die Investitionen würden 100 Millionen Euro betragen, das rechne sich nicht.
„Es kann nicht sein, dass eine über Jahrzehnte aufgebaute heimische Gemüseproduktion wegbricht und …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



