
Kritik. Mit dem Namen Bartoli verbindet die Opernwelt virtuose Koloraturen. Über die Jahrzehnte gab es bei diesem Namen niemand anderen als Cecilia. Die gebürtige Römerin wird auch immer La Bartoli bleiben.
In den vergangenen Jahren ließ jedoch eine andere Italienerin mit diesem Namen aufhorchen, wie derzeit in der Wiederaufnahme von Verdis „Macbeth“ an der Staatsoper.
Verwandt ist sie mit der Grande Dame des Belcanto nicht. Sie stammt aus Florenz, heißt Anastasia und ist die Tochter der Sängerin Cecilia Gasdia. Ihr herber Sopran hat in allen Lagen Kraft. Präzise betont sie jede Silbe, wenn sie ihren Gatten zum Mord anstiftet. In der aktuellen „Macbeth“-Serie ist sie das Kraftzentrum der Aufführung, wenn sie ihren eiskalten Furor in der Düsternis von Barrie Koskys Inszenierung aufleuchten lässt. Bedauerlich, dass Kosky den Brief, den die Lady von ihrem Macbeth bekommt, von einer Stimme aus dem Off lesen lässt. Abgesehen davon, dass man in der zweiten Vorstellung nichts davon verstanden hat, hätte man das dieser Sängerin zumuten können. Ihr „Una macchia“ wird man so schnell nicht vergessen.
Etienne Dupuis ist ein sehr zivilisierter Macbeth. Er kostet seine Kunst zu phrasieren aus und setzt auf Eleganz. In manchen Passagen legt er diese Rolle wie den Posa aus Verdis „Don Carlo“ an, den er zu Saisonbeginn verkörpert hat. Alexander Vinogradov ist ein solider Banco. Najmiddin Mavlyanov kommt bei der Arie des Macduff über heulendes Lamento nicht hinaus.
Die eindrücklichsten Farben in dieser Schwarz-in-Schwarz-Inszenierung kommen aus dem Orchestergraben. Francesco Ivan Ciampa lässt das Drama spüren, generiert atemberaubende Momente in Höchstspannung. Kurzer, intensiver Applaus.
Source:: Kurier.at – Kultur



