Was der US-Truppenabzug aus dem Irak für das Land und die Region bedeutet

Politik

„Shock and Awe“ – mit dieser Militärtaktik, die eben „Schrecken und Furcht“ verbreiten soll, starteten die USA unter Präsident George Bush jun. am 20. März 2003 zunächst mit massiven Luftangriffen auf Bagdad ihren Irak-Feldzug. Ziel: der Sturz von Diktator Saddam Hussein.

Jetzt, fast ein Vierteljahrhundert und viele Zehntausende, vermutlich Hunderttausende Tote später, sind die USA am Wochenende vollständig aus dem Zweistromland abgezogen. Zeitweise waren mehr als 160.000 amerikanische Soldaten stationiert, die Gesamtkosten werden mit bis zu drei Billionen Dollar beziffert. Ein Rück- und Ausblick.

„Achse des Bösen“

Letztlich ist diese „größte außenpolitische Fehlentscheidung“ der USA, wie manche Historiker meinen, auf die El-Kaida-Anschläge des 11. September 2001 zurückzuführen. George Bush verortete den Irak gemeinsam mit dem Iran und Nordkorea auf der „Achse des Bösen“, Saddam Hussein würde Kontakte zu den Terroristen unterhalten und Massenvernichtungswaffen herstellen lassen. Beide Unterstellungen stellten sich als falsch heraus.

Nicht einmal einen Monat später erklärte das Pentagon den Krieg für beendet, im Dezember konnten die Amerikaner Saddam fassen, er wurde später verurteilt, die Todesstrafe (durch Erhängen) wurde Ende 2006 vollzogen.

Doch dem raschen Sieg der US-Truppen folgten schnell Chaos, Aufstände, Gewalt zwischen irakischen Sunniten und Schiiten – und Terror. Bis 2011, als ein Großteil der amerikanischen Truppen erstmals abzog, wurden 4.500 GIs und Zehntausende Iraker getötet.

In diesem Machtvakuum konnte der Iran über verbündete Milizen Einfluss gewinnen, Al-Kaida konnte sich ebenso breitmachen wie später die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS).

Bilder aus dem Gefängnis Abu Ghraib, auf denen zu sehen ist, wie US-Aufseher Häftlinge foltern und demütigen, verstärkten den Zulauf zu diesen extremistischen Gruppen. Das Projekt „Nation Building“ scheiterte ebenso wie die Schaffung einer tragfähigen Sicherheitsarchitektur.

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Als dann der IS 2014 weite Teile Syriens und eben des Iraks förmlich überrannte, riefen die Machthaber in Bagdad in höchster Not die USA zu Hilfe. In wochenlangen und verlustreichen Kämpfen wurden die Islamisten zurückgedrängt. Dabei wurden mindestens 1.400 Soldaten der US-geführten Koalition getötet, auch rund 13.000 Zivilisten verloren ihr Leben.

Einen beträchtlichen Anteil an der weitgehenden Zerschlagung des IS haben die kurdischen Peschmergas, die sowohl in Syrien als auch im Irak große Autonomie genossen. Vor allem die Kurden im Nordirak, die dort seit Errichtung der Flugverbotszone 1991 durch die USA staatsähnliche Strukturen aufgebaut haben, fühlen sich im Stich gelassen.

„Eine Schande“

„Jetzt ohne, sagen wir, ein angemessenes Verteidigungssystem alleingelassen zu werden, ist eine Schande“, reagierte der Ministerpräsident der Kurdenregion im Irak, Masrour Barzani, gegenüber der Financial Times auf den Abzug eines US-Kontingents aus der Stadt Erbil.

Dort sowie in der hoch gesicherten „Grünen Zone“ Bagdads und nahe des Flughafens der Hauptstadt waren zuletzt insgesamt 2.500 GIs stationiert. Sie sollten unter anderem auch den Schutz der Kurden sichern, die gerade nach Beginn des amerikanisch–iranischen Krieges massiv ins Visier des Nachbarstaates geraten waren. „Die Bedrohung ist echt, wir sind verwundbar, wir werden angegriffen“, betonte Barzani in dem Interview.

Nicht nur die Kurden sind jetzt stärker gefährdet als zuvor, das gesamte Land könnte nach dem Rückzug der Amerikaner wieder ins Bodenlose driften – wie zuvor Afghanistan, nachdem die USA 2021 das Land verlassen hatten. Und ausgerechnet die Machthaber in Teheran, mit denen sich die USA im Krieg …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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