Musical „Die Schöne und das Biest“: Triumph der Unvermittelbaren

Kultur

Das französische Märchen „Die Schöne und das Biest“ ist so eine Art Aschenputtel in Halloweenverkleidung. Fleißige jüngste Tochter meets Prinz, nur ist der leider ein schiaches Monster. Maus-Macher Walt Disney, der liebend gern in europäischem Volksgut stöberte, um daraus Zeichentrickfilme zu generieren, hatte die Erzählung lange im Visier. Allein, zu einer Verfilmung kam es erst 1991, 25 Jahre nach seinem Tod. Schon drei Jahre später war das ungleiche Paar am Broadway, noch eins später auch auf der Musicalbühne in Wien. Eine aktualisierte Version (Regie und Choreografie: Matt West) davon hatte nun am Freitag im Wiener Raimundtheater Premiere.

Schwebendes Lichterbritzeln

Die Ouvertüre ist kurz und facht die Vorfreude auf den Song „Unser Gast“ an. Er ist einer von nur zwei Ohrwürmern, die das Musical von Alan Menken (Musik), Tim Rice und Howard Ashman (Texte) und Linda Woolverton (Buch) zu bieten hat. Schnell ist erzählt, warum der Prinz verwunschen ist – kaltherzig, oberflächlich, und vor allem ein bisschen zu doof, eine Zauberin zu erkennen – mit einer hübschen Effektverwandlung der Bettlerin zur Magierin im schwebenden Lichterbritzeln. Dann ist man schon in Belles Dorf, schlumpfhausig angehaucht, das Ensemble tanzt wie Spieluhrfiguren aus den Häusern. Belle bekommt neuen Lesestoff aus einer Scheibtruhe voll mit Büchern. Ihr Verehrer Gaston, der sie rein aus Prinzip heiraten will, kommentiert ihr Faible fürs Intellektuelle so: „Zum Glück bist du schön“. Und das trotz Lesebrille. Belles Vater Maurice (Oliver Huether) ist ein versponnener Erfinder, hier mit Anklängen an Doc Brown aus „Zurück in die Zukunft“. Mit seinem Gefährt, das enorm an getunte Seniorenmobile erinnert, verirrt er sich im Wald und singt von „Rehlein, die Menschen fressen“. Der Disneyloge, der hier eine Anspielung auf „Bambi“ erkennt, hat wahrscheinlich noch andere Probleme. In einer nett altmodischen Schattentheaterprojektion verfolgen Wölfe den Vater, der sich in das Schloss des Biests rettet.

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Blütenblatt-Countdown

Dies ist erkennbar daran, dass barocke Kringel von der Decke fahren und sich zu Treppe und Co. formieren. Rechts oben leuchtet die Rose im Glassturz, die mit jedem fallenden Blütenblatt zeigt, wie lange das Biest noch Zeit hat, eine Frau zu finden, die es liebt. Apropos Zeit – endlich Auftritt der liebenswertesten Figuren des Stücks: Kerzenleuchter Lumière, Teekanne Madame Potine und Standuhr Herr von Unruh, der trefflich erbost ist, als Belles Vater sein Pendel antatschen will. Seltsam: Obwohl alle Franzosen sind, hat nur Staubwedel Babette (Birgit Arquin) einen schweren Akzent („mein Übschäärr“). Das Biest steckt Maurice in den Kerker, der Gefangenenaustausch mit Belle ist schnell arrangiert. Der verzauberte Hausrat ist entzückt: Fluchaufhebungsmaterial ist im Haus. Der Erfolg einer Kuppelmission würde auch für sie Erlösung bedeuten und Madame Potine könnte auch ihren linken Arm mal wieder absenken. Problem nur, beim Biest würde auf Parship wohl bei schlechten Eigenschaften „temperamentvoll“ stehen, was hier bedeutet: Nach Gebrüll, Gefauche und anderen Ungalanterien ist Belle erst mal wieder weg.

Ungeübt im Flirten

Und dann auch schon wieder da, weil: Wölfe. Zurück im Schloss übernimmt Belle das Flirtkommando, das Biest ist da nicht so geübt. Genauso wie in Tischmanieren. Das ist putzig. Wie es sich für Außenseiter gehört, teilen sie beide die Liebe …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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