
Seine Stunde schlägt immer, wenn es wirklich ans Eingemachte geht: So war Christian Deutsch bereits 2017 der erste namhafte Funktionär der SPÖ Wien, der öffentlich Langzeit-Bürgermeister Michael Häupl aufforderte, endlich seine Nachfolge zu regeln. In den Monaten darauf spielte der spätere Bundesgeschäftsführer unter Pamela Rendi-Wagner eine maßgebliche Rolle dabei, dass sein enger Vertrauter Michael Ludwig Häupl beerben sollte.
Nun ist es abermals der heutige Gemeinderat, der als erster Spitzenfunktionär der gewichtigen Wiener Landespartei öffentlich im sich anbahnenden Machtkampf zwischen Parteichef Andreas Babler und seinem Herausforderer Gerhard Zeiler Stellung bezieht. „Es ist Feuer am Dach. Bei diesen Umfragen hätte früher selbst Andreas Babler Andreas Babler zum Rücktritt aufgefordert“, so Deutsch, der auch als enger Verbündeter der dritten Nationalratspräsidentin Doris Bures gilt.
Soll das heißen, dass Zeiler Parteichef werden soll? Darauf will sich Deutsch im KURIER-Gespräch nicht explizit festlegen, schließlich sei er ja nicht Mitglied des Parteivorstandes. Lobende Worte hat er für den Medienmanager gleichwohl: „Es ist eine Erleichterung, dass sich mit Zeiler jemand gemeldet hat. Damit ist die Diskussion eröffnet.“ Dass Zeiler von Babler-Fans sein Alter von 71 Jahren vorgeworfen werde, sei „eine Altersdiskriminierung, die ich mir bei uns nicht erwartet hätte. Man kann es auch so sagen: Zeiler hat viel Lebenserfahrung und war erfolgreich in der Wirtschaft tätig.“
Dass er bisher nur vage inhaltliche Ansagen geliefert habe, lässt Deutsch nicht als Kritikpunkt gelten. „Die inhaltliche Diskussion sollte nicht in den Medien geführt werden.“
Miese Umfragen auch in Wien
Wie berichtet, rückte zuletzt die mächtige Wiener Landesorganisation (eine der wenigen verbliebenen Babler-loyalen) mehr und mehr von Babler ab. Das dürfte nicht nur mit den desaströsen Umfragewerten der Bundes-SPÖ zu tun haben. Auch die Landespartei verlor seit der Wahl 2025 (39,4%) massiv an Terrain. Laut einer aktuellen Umfrage von IFFD für den stadteigenen TV-Sender W24 ist sie bereits auf 35 Prozent abgerutscht. Die FPÖ (20,4%) kommt bereits auf 26 Prozent.
Doch ist Deutschs Vorstoß mit seinem Vertrauten Michael Ludwig abgestimmt? Teilt der Bürgermeister dieselbe Position? In Ludwigs Umfeld bestreitet man vehement, dass der Bürgermeister Deutsch vorgeschickt habe, um Babler den Rücktritt nahezulegen. „Deutsch hat einfach aus seiner Sicht die Situation skizziert“, so ein Ludwig-Vertrauter zum KURIER. Was Ludwigs eigene Position ist, bleibt somit zumindest nach außen hin weiter offen. Nur so viel: Der Bürgermeister begrüße es, dass es am Sonntag zu einem internen Austausch zwischen Babler und den Länderchefs um die Zukunft der Partei kommen werde.
Zu einem solchen hatte Babler am Mittwoch per Mail geladen, nachdem die Kärntner Landespartei bereits am Montag ein Treffen aller Länderparteichefs gefordert hatte, um Klarheit für die weitere Vorgehensweise zu schaffen. Die Steirer hatten sich der Forderung angeschlossen. Dass zuletzt Kärnten so aktiv wurde, liegt auf der Hand. Bereits im kommenden Jahr finden dort Gemeinderatswahlen statt, im Jahr darauf muss der neue Landeshauptmann Daniel Fellner seinen Posten gegen die FPÖ verteidigen.
Source:: Kurier.at – Politik



