Zeiler in der ZIB2: „Wenn wir nicht aufpassen, wird die SPÖ Nummer 4“

Politik

Es war sein erster Auftritt nach der Ansage. Gerhard Zeiler, der sich vom Pressesprecher eines Fred Sinowatz über Management-Funktionen im ORF und in Deutschland bis an die Spitze des „Time Warner“-Konzerns in den USA hinaufgearbeitet hat, stellte sich Sonntagabend der Zeit im Bild 2.

Seit Tagen ist klar, dass Zeiler Andreas Babler an der Parteispitze beerben will. Wie er dies anstellen möchte und vor allem: für welche Inhalte und für welchen Kurs er stehen würde, darauf versuchte der 71-Jährige am Sonntag in seinem ersten TV-Interview nach der Kampfansage Antworten zu geben.

Warum er sich gerade jetzt einer Kampfabstimmung stellen möchte, das erklärte Zeiler so: „Wenn wir nicht aufpassen, dann werden wir (die SPÖ, Anm.) bald die Nummer 4 sein.“ Die SPÖ müsse stark sein, um den „Extremen“ den Weg zur Macht zu verbauen.

0:3 zur Halbzeit

Zeiler brachte einen Vergleich aus dem Fußball: Es stehe 0:3 in der Halbzeit und die Mannschaft müsse sich jetzt überlegen, was geändert werden kann, um das Match noch zu gewinnen. „Es geht nicht nur um den Vorsitzenden, es geht auch um den Kurs.“

Dass ihn bislang öffentlich kaum gewichtige Genossen unterstützen, das irritiert Zeiler wenig. „Das habe ich nicht anders erwartet.“ Die SPÖ sei eine demokratische Partei und stehe nun vor einer Entscheidung – eben Zeiler oder Babler. „Ich stehe für einen wirtschaftsfreundlichen Kurs. Wenn wir die Wirtschaft nicht zum Wachsen bringen, dann werden wir den Sozialstaat nicht erhalten können, wir werden soziale Spannungen haben und verlieren, was die Eltern-Generation erarbeitet hat.“ Andreas Babler stehe für einen Kurs, mit dem die SPÖ 15 bis 16 Prozent schaffe. Er, Zeiler, sei ein „klassischer Sozialdemokrat. Ich bin kein Marxist!“

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Die Verantwortung sieht der Herausforderer nun beim Parteivorstand. „Er muss entscheiden, ob er einen Sonderparteitag will.“ Andernfalls würde Zeiler mit Unterstützungserklärungen in den Bundesländern arbeiten.

Die Koalition wäre durch einen Wechsel nicht gefährdet: „Ich stehe zu dieser Regierung. Sie hat ein Programm ausgearbeitet, das nicht abgearbeitet ist.“

Wirtschaft, Kinderbetreuung, Kassenärzte

Womit man bei den Inhalten ist: Besonders am Herzen liegt dem Manager die Wirtschaft. Zudem will er die Kinderbetreuung ausbauen und für mehr Kassenarzt-Stellen sorgen, um die Wartezeiten möglichst kurz zu halten – allesamt bekannte Positionen, die auch die amtierende Regierung durchaus vertritt.

Beim Konflikt-Thema Vermögens- und Erbschaftssteuern verweist Zeiler darauf, dass es dafür keine Mehrheit gibt. Gleichwohl könne man mit ihm über eine Erbschaftssteuer reden, wenn die Staatsquote gleich bleibe – oder sinke. „Wir müssen im selben Atemzug die Arbeit entlasten.“ Die SPÖ sei die Partei der arbeitenden Menschen.

Offene Unterstützung hat Zeiler in den vergangenen Tagen partei-intern kaum bekommen. Abgesehen von Alt-Landeshauptleuten wie Franz Voves, Hans Niessl oder Peter Ambrozy gab es bislang wenige Solidaritätsadressen, im Gegenteil: Die Gewerkschaft äußerte sich zurückhaltend. Und auch die SPÖ-Frauen bzw. deren Vorsitzende Eva-Maria Holzleitner blieben eher zurückhaltend.

Sonntagabend sagte er, die Unterstützer würden schon noch kommen.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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