„Unabomber“ auf Netflix: Psycho-Spielchen mit Russell Crowe

Kultur

Wie ein Schwerverbrecher sieht der junge Ted Kaczynski nicht aus, als er mit gespitzten Ohren im Hörsaal sitzt und den Ausführungen seines Professors lauscht. Mehrere Jahre später wird er die US-Bevölkerung mit einer Reihe von Bombenattentaten terrorisieren, drei Menschen töten und mehr als 20 verletzen.

Netflix beleuchtet nun in einem 90-Minüter die Geschichte des sogenannten Unabombers. Erzählt wird der Film des dänischen Regisseurs Janus Metz (u. a. „Andor“) auf zwei Zeitebenen: In den 50ern beginnt der unbeholfene Nerd Kaczynski (Jacob Tremblay) mit gerade einmal 16 Jahren ein Mathematikstudium in Harvard. Er ist ehrgeizig und besonders von seinem Psychologie-Professor Henry Murray (Russell Crowe) fasziniert. Um ihn zu beeindrucken, meldet sich Kaczynski für ein mysteriöses Experiment unter Murrays Leitung: In regelmäßigen Sitzungen wird er dabei von einem Mann gedemütigt, während Murray das Ganze in einem Nebenraum beobachtet.

Im zweiten Erzählstrang ist die FBI-Agentin Joanne Miller (Shailene Woodley) Mitte der 90er damit beschäftigt, den gefürchteten Terroristen zu schnappen. Als der Unabomber – so genannt, weil er es zunächst auf Universitäten und Airlines abgesehen hatte – zwei namhafte Zeitungen dazu bringt, sein Manifest abzudrucken, glaubt Miller in dem Text entscheidende Hinweise zu erkennen. Ihre Kollegen, allesamt Männer, tun ihre Überlegungen jedoch ab.

Horrorfilm

Die Geschichte des jungen Kaczynski spielt sich hauptsächlich in dunklen, holzvertäfelten Universitätsräumlichkeiten ab. In Verbindung mit den dubiosen Psycho-Spielchen, während derer der Student an diverse Maschinen angeschlossen ist, sorgt das für – teils klischeehafte – Horrorfilm-Atmosphäre. Der von sich eingenommene Forscher mit undurchsichtiger Agenda ist für Russell Crowe keine Schwierigkeit. Auch der junge Kaczynski entpuppt sich im Lauf des Films als doch nicht so unschuldig.

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Woodley kämpft indes mit dem Sexismus der Kollegen und beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Wirklich fesselnd ist ihre Suche nach dem Täter aber nicht. Hürden sind schnell überwunden und selbst eine Szene, in der sich die Polizistin mitten im Wald allein vor dem Attentäter wiederfindet, wirkt nicht sonderlich bedrohlich.

Der Film lässt sich dennoch gut wegschauen, auch dank der Wechsel zwischen den Zeitebenen. Sich bei der Suche nach den Gründen für Kaczynskis Taten aber nur auf die fragwürdigen Experimente zu fokussieren, greift wohl etwas kurz.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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