So viele Studierende wie noch nie – braucht man sie?

Wirtschaft

Österreichs Hochschulen konnten vergangene Woche einen neuen Rekord verkünden: Im Wintersemester 2025/26 gab es so viele Studierende wie nie zuvor. Insgesamt 407.485 Studentinnen und Studenten waren laut Statistik Austria an einer Hochschule eingeschrieben. Das sind 1,9 Prozent mehr als 2024/25.

„Insbesondere bei Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen haben die Studierendenzahlen deutlich zugelegt“, erklärt Manuela Lenk, fachstatistische Generaldirektorin von Statistik Austria, in einer Pressemitteilung. Fachhochschulen verzeichneten ein Plus von 6,5 Prozent, Pädagogische Hochschulen eines von 4,6 Prozent. Und damit nicht genug.

Akademisch, arbeitslos

Einen weiteren Spitzenwert gab es bei den Studienabschlüssen. 62.850 ordentliche Studien wurden im Studienjahr 2024/25 absolviert. „Um 3,9 Prozent mehr ordentliche Studien an österreichischen Unis und Hochschulen wurden erfolgreich abgeschlossen als im Jahr davor – auch das ist ein neuer Rekord“, so Lenk. Von den 62.850 Abschlüssen entfielen 57 Prozent bzw. 35.822 auf Frauen, 27.028 auf Männer.

Diesen Rekordzahlen steht jedoch die stetig steigende Akademikerarbeitslosigkeit gegenüber. Akademiker verzeichnen laut aktuellen Daten des Arbeitsmarktservice (AMS) einmal mehr prozentuell den höchsten Anstieg bei der Arbeitslosigkeit (+10,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat). Bei Personen mit Pflichtschulabschluss gab es einen Rückgang von 1,7 Prozent. Bei Frauen und Männern mit Lehrabschluss ein Plus von fünf Prozent, teilte das AMS am Donnerstag mit.

Was bedeuten die Studierenden-Rekordzahlen nun für die Jobchancen am Arbeitsmarkt? Der KURIER fragt bei WIFO-Ökonom Stefan Angel nach. Dieser gibt Entwarnung.

Nach wie vor gut

„Das Arbeitslosigkeitsrisiko bleibt bei Akademikern seit vielen Jahren von allen Bildungsgruppen am niedrigsten“, so der Experte. Außerdem beschleunige ein Titel den Einstieg ins Erwerbsleben. Das zeigt das „Absolvent:innen-Tracking“ von Statistik Austria. Absolventen der Studienjahre 2008/09 bis 2022/23 brauchten typischerweise knapp zwei Monate, bis sie nach dem Abschluss ihre erste Beschäftigung aufgenommen haben.

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Den Grund für die relativ hohe Akademikerarbeitslosigkeit sieht Stefan Angel in der steigenden Akademisierung der Erwerbsbevölkerung. „Es sind heute einfach viel mehr Akademiker auf dem Arbeitsmarkt als früher.“ Der Anteil der Erwerbstätigen mit Hochschulabschluss ist von 8,3 Prozent im Jahr 1994 auf 24,6 Prozent 2025 gestiegen.

Generell würden die Daten zeigen, dass es weiterhin eine Nachfrage und gute Beschäftigungsmöglichkeiten am Arbeitsmarkt für Akademiker gibt, so der Ökonom. Er betont jedoch, dass dies natürlich von Fachrichtung und Branche abhänge. „Aber so war das auch schon vor zehn Jahren.“

Ein Faktor könnte junge Menschen jedoch vom Studieren abhalten: das Gehalt.

Kein Lohnvorteil mehr?

Beim Gehalt haben Akademiker traditionell einen Vorteil. Aber „es sind Lohnanpassungen zu beobachten“, so Angel. Seit den 1980er- und frühen 1990er-Jahren erkenne man, dass die Gehaltsschere zwischen Akademikern und Personen mit maximal Pflichtschulabschluss kleiner geworden ist. Auch Einkommensdaten von Statistik Austria belegen einen „Rückgang des Lohnvorteils“, analysiert der Ökonom.

Inwieweit es sich also noch lohnt, zu studieren, ordnet Ursula Löffler, Wirtschaftspsychologin beim Personalberater Hill Woltron, ein.

Praktische Erfahrung

Eine Folge des Studierendenbooms sei, dass viele Akademiker heute in Jobs arbeiten, für die früher kein Hochschulabschluss nötig war, beobachtet Ursula Löffler. Als Beispiel nennt sie die Assistenz der Geschäftsführung: „Vor 30 Jahren hätte dafür ein Handelsschulabschluss gereicht, heute sitzen dort häufig Personen mit Wirtschaftsstudium.“ Dennoch bleibt der Titel allein keine Jobgarantie, wie Löffler betont.

Das Studium sei eine gute Grundlage, vermittle Fachwissen und Methoden, außerdem entwickle man die Fähigkeit, komplexe Fragestellungen …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

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