Metaller-KV: Steigende Beschäftigung dank Krisenabschluss

Wirtschaft

Statt mit der traditionellen Forderungsübergabe für das Lohnfeilschen begannen die Kollektivvertragsverhandlungen in der Metalltechnischen Industrie heuer gleich mit dem Abschluss: Die Ist-Löhne und Gehälter der 130.000 Beschäftigten werden ab 1. November um 1,9 Prozent angehoben. Die Mindestgehälter, Lehrlingseinkommen und Zulagen steigen um 2,1 Prozent. 

Darauf haben sich die Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter bereits im Vorjahr in einem Zweijahresabschluss geeinigt. Zur Erinnerung: Der Abschluss wurde von der Gewerkschaft als „Krisenabschluss“ bezeichnet, weil das Gehaltsplus für 2026 mit 1,41 Prozent weit unter der rollierenden Inflation von 2,82 Prozent lag. Als Basis für den heurigen Abschluss wurde die vorjährige Prognose für die Inflationsrate 2026 herangezogen, die bei 2,2 Prozent lag. Inzwischen liegen die Prognosen wegen der Konflikte in Nahost bei 3,2 Prozent.

Auch wenn sich die Inflation wieder erhöht hat, betonten am Donnerstag beide Sozialpartner in demonstrativer Harmonie, wie wichtig dieser Krisenabschluss gewesen sei. 

Knill: War ein wichtiger und guter Schritt

„Die Einigung unter der Inflationsrate schaffte eine verlässliche Perspektive, das war ein wichtiger und guter Schritt“, sagte Christian Knill, Obmann des Fachverbandes Metalltechnische Industrie (FMTI) bei einer gemeinsamen Pressekonferenz. Die Sozialpartner hätten mit dem Abschluss ein „starkes Zeichen“ für lösungsorientierte Zusammenarbeit gesetzt, die man sich auch von der Politik wünsche. Der FMTI vertritt 1.100 überwiegend mittelständische Unternehmen, die u.a. im Bereich Maschinenbau, Metallwaren, Anlagenbau, Stahlbau und Gießerei tätig sind.

Binder: Abwehrkampf gegen Nulllohnrunde

Der Vorsitzende der Produktionsgewerkschaft Pro-Ge, Reinhold Binder, bezeichnete den Zweijahresabschluss als „eine Brücke über schwierige Zeiten und hat mitgeholfen, Beschäftigung zu sichern“. Für die Gewerkschaft war es vor allem „ein Abwehrkampf gegen Nulllohnrunden“. Die Teuerungsbekämpfung sei zwar noch nicht vorbei, aber die wirtschaftliche Situation habe sich verbessert und nun müssten die Betriebe nötige Investitionen und Transformationsprozesse einleiten. Jetzt gehe es vor allem um Beschäftigungssicherung.

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Beschäftigung zieht wieder an

In punkto Beschäftigungssicherung hat der Krisenabschluss jedenfalls seinen Zweck erfüllt, wenn nicht sogar übertroffen. Gingen im Vorjahr noch mehr als 20.000 Arbeitsplätze in der Metallindustrie verloren, davon 10.000 in der Metalltechnischen Industrie, so gab es im ersten Halbjahr 2026 wieder eine Trendwende. Von Jänner bis Mai stieg die Beschäftigung um 2.000 Arbeitsplätze, auch über den Sommer gab es zusätzliche Einstellungen. Für WIFO-Ökonom Benjamin Bittschi war der Abschluss daher ein „starkes Zeichen der Sozialpartnerschaft“, das „tausende Jobs gerettet“ habe. Auch die Produktivität ist nach langer Zeit wieder gestiegen. 

Kein Maßstab für Herbstlohnrunde

Für die kommenden Herbstlohnrunden seien die Metaller diesmal kein Vorbild, stellte Mario Ferrari, Bundesgeschäftsführer der Gewerkschaft GPA, klar. Jede Branche müsse eigens betrachtet werden. Für den Handel, der am 20. Oktober mit den KV-Verhandlungen beginnt, besteht die GPA zumindest auf eine Inflationsabgeltung. „Der Handel lebt von der Inlandsnachfrage und nicht vom Export wie die Metallbranche“, so Ferrari. 

Wie weiter?

Binder und Ferrari stellten klar, dass ein Krisenabschluss keine Dauerlösung sei und die Gewerkschaft nicht länger Reallohnverluste hinnehmen werde. Auch ein Zweijahresabschluss sei nur Teil eines Bauchladens an Möglichkeiten bei KV-Verhandlungen. Was Inflationsbekämpfung und Kaufkraftsicherung anbelangt, könnten die Sozialpartner nur einen kleinen Teil dazu beitragen. Ein größerer Hebel sei die Finanz- und Wirtschaftspolitik in Österreich und in der EU. 

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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