Vitásek feiert Jubiläum: „Alle fragen, ob der ,Zippe Zappe‘ kommt“

Kultur

Andreas Vitásek bringt mit „Wie es mir gefällt“ ein Jubiläumsprogramm, anlässlich 45 Jahren auf der Bühne und 70 Jahren im Leben. „Ich wollte kein Best-of der Nummern, die am besten ankommen. Ich wollte die nehmen, die mir am besten gefallen, was ich gerne noch einmal oder anders erzählen möchte“, sagt er. Mit der Wien-Premiere am 6. Oktober kehrt Vitásek an eine Stätte früher Erfolge zurück. Im Kabarettlokal Kulisse spielte er Anfang der 1980er-Jahre sein erstes Programm „Soloabend“.

KURIER: Ihr Jubiläumsprogramm ist bewusst offen gehalten. Warum?

Andreas Vitásek: Ich wollte weg von diesem Korsett, dass ich alle zwei, drei Jahre ein neues Programm spiele. Es soll ein Programm sein, das im Fluss ist, wo ich auch Sachen austauschen kann. Mein Vorbild war da Bob Dylan, der eigentlich mein Gott ist, und seine „Never Ending Tour“. Er spielt ja fast jeden Abend. Der ist offensichtlich nicht gern daheim und lieber auf der Bühne. (lacht) Man sieht, wie sich das immer leicht verändert. Manche Zugaben kommen irgendwann ins Programm rein. Das heißt aber nicht, dass ich nach einem Jahr nicht sage, ich möchte wieder ein ganz neues Programm schreiben.  

Was ist Ihnen beim Rückblick durch Ihre Karriere aufgefallen?
Es gibt Nummern, die einfach nicht mehr funktionieren. Die Rezeption von Humor ist auch dem Zeitgeist unterworfen. Gewisse Sachen gehen nicht mehr, nicht nur, weil es politisch nicht mehr korrekt ist, da hat sich schon was verändert. Andere Sachen sind wiederum allgemeingültig.

Manche Kollegen spielen bewusst mit Sachen, die man angeblich nicht sagen darf.
Ich habe das im letzten Programm auch thematisiert. Aber im Grunde darf man ja alles sagen, wir haben Redefreiheit. Man läuft natürlich Gefahr, dass man Gegenwind verspürt. Darüber darf man sich dann aber auch nicht aufregen. Ich glaube, dass diese Entwicklung wieder zurückgeht, wenn man sich zum Beispiel die Gender-Debatte ansieht. Wir leben eh in so schwierigen Zeiten, dass das in der Hitparade der Wichtigkeit ein bissl runtergegangen ist.

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Kabarettisten sollen natürlich auch Dinge sagen, die wehtun.
Der Beruf ist angesiedelt zwischen Moral und Überschreitung. Genau dort wird es spannend und witzig und kitzelt – solange man nicht auf Minderheiten losgeht. Ich sage immer: Satire darf alles, solange sie Satire ist. Und nicht Beleidigung oder Aufruf zu Gewalt. Ich war immer der Meinung, dass Kabarett mehr Kritik als Unterhaltung sein muss. Ich spüre aber ein bisschen Altersmilde. Es ist in diesen Zeiten schon legitim, dass man einmal zwei Stunden nur unterhält.

Warum sind viele Menschen anfällig für Parteien mit extremen Positionen?
Ich glaube, dass das Fortschritts- und Aufstiegsversprechen, das seit dem Zweiten Weltkrieg da war, auserzählt ist. Das spüren die Leute und das frustriert sie. Wenn dann wer irgendwas verspricht, auch ohne zu wissen, wie es überhaupt finanziert werden soll, dann rennen die Menschen dorthin. Man muss ihnen klarmachen: Es geht nicht darum, dass immer alles besser wird. Das wird irgendwann nicht mehr gehen.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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