
von Helmut Christian Mayer
„Circo Algeri“ prangt in riesiger Leuchtschrift über dem Zelt auf der Bühne, auf der sich schon zur Ouvertüre ständig Artisten und Clowns tummeln: Aus dem Orient heraus in den Zirkus verlegt Alexandra Liedtke Gioachino Rossinis „L’Italiana in Algeri“ am Salzburger Landestheater und lässt Mustafa gleich zum rüden Zirkusdirektor mutieren und sein Harem zum Zirkusensemble in extrem schrillen Kostümen (Su Bühler) werden.
Artisten, Tiere, Überforderung
Wiewohl der Regisseurin einige komödiantische Szenen gelungen sind und die akrobatischen Leistungen sehr eindrucksvoll sind, wäre weniger mehr gewesen: Denn es wird in einer Manege und vor dem Zelt (Bühne: Philip Rubner) pausenlos jongliert, im Rad und am Boden geturnt, Salti geschlagen, von einer vierköpfigen Clown-Gruppe stets herumgezappelt, dass es einem zu viel wird und vom musikalischen Geschehen sehr ablenkt. Insgesamt stellt sich bald die Frage, was diese Verlegung ins Zirkusgeschehen, für die teils sogar die Rezitative geändert werden mussten, insgesamt bringt.
Gesungen wird jedenfalls auf hohem Niveau: Katie Coventry als im Mittelpunkt stehende, temperamentvolle, raffinierte Titelheldin Isabella, die Italienerin bleiben durfte, die mit großem Selbstbewusstsein die Männer das Fürchten lehrt. Sie singt die zahllosen koloraturverzierten Gesangslinien bravourös und punktet auch mit den samtigen Regionen ihres Mezzos. Als ihren schmachtenden Liebhaber Lindoro hört man Theodore Browne mit lyrischer Emphase und großartigen Höhen.
Warum seine wunderbare Kavatine allerdings mit aufdringlicher Artistik gestört wird, bleibt unerfindlich. Daniele Macciantelli ist ein witziger Mustafa mit geschmeidigem, voluminösem Bass, dickem Bauch und Zwirbelschnurrbart. Nicole Lubinger ist seine tadellos flexibel singende untertänige Gattin Elvira, die er loswerden will. George Humphreys ist der Isabella stets nachhechelnde, verklemmt komische und profund singende Taddeo. Sehr gut auch: Yevheniy Kapitula als Haly und Mona Akinola als Zulma. Der ausgewogen singende Herrenchor des Hauses (Einstudierung: Mario El Fakih) ist auch mit viel Klamauk darstellerisch sehr gefordert.
Carlo Benedetto Cimento sorgt für den notwendigen, rhythmischen Drive und die musikalische Frische. Er lässt mit zügigen Tempi im Mozarteumorchester Salzburg Rossinis hinreißende Musik voll Temperament und Melodie, voll Witz und Verspieltheit sowie Leichtigkeit, nur selten die Sänger zudeckend, mit allen Verzierungen geschmeidig so richtig kichern und funkeln.
Source:: Kurier.at – Kultur



