
Sechs Jahre sind es noch bis zu den Olympischen Spielen in Brisbane. In der australischen Metropole zeigt sich schon heute, was Olympia mit einer Stadt machen kann: Wo einmal Zehntausende Zuschauer sitzen sollen, stehen Kräne und Bagger. Es gab Streit über alte und neue Stadien, es fehlen Tausende Hotelbetten. Die Ruderer sollen auf einem Fluss um Medaillen kämpfen, in dem Krokodile leben. Nur eins scheint sicher: Von den ursprünglichen Versprechungen ist nicht viel übrig.
Brisbane sollte für eine neue, sparsame Olympia-Ära stehen. Die Bewerbung setzte auf vorhandene Sportstätten und versprach, den Kreislauf des Gigantismus zu durchbrechen. Inzwischen sind die Pläne zu einem milliardenschweren Infrastrukturprogramm mutiert. „Es sollte ein Olympia zum kleinen Preis werden – und genau das wollte das Olympische Komitee: bestehende Anlagen nutzen und nicht viel Geld ausgeben“, sagt Uber-Fahrer John. „Aber dann war wieder alles anders und Brisbane sagte: Nein, wir können das viel besser machen!“ Statt wie geplant das traditionsreiche Cricket- und Sportstadion „The Gabba“ umzubauen, entsteht ein neues „Brisbane Stadium“ für 63.000 Besucher.
Protest im Victoria Park
Der Standort sorgte allerdings für viel Kritik: Vor Baubeginn im Victoria Park kam es wiederholt zu massiven Protesten. Anrainer und indigene Aktivisten forderten, die historische Grünfläche zu erhalten und warnten vor Eingriffen in ökologisch und kulturell bedeutsame Bereiche. Im Mai eskalierte der Streit, als die Polizei ein Protestcamp räumte und mehrere Menschen festnahm.
Auf dem Weg zum Park ziehen glitzernde Hochhäuser vorbei, dazwischen ragen überall mächtige Kräne in den Himmel. „Sehr viele Menschen ziehen gerade aus anderen Landesteilen nach Brisbane, hier gibt es jede Menge Arbeit“, sagt John. „Ich freue mich trotz aller Probleme sehr auf die Spiele, ich liebe Sport!“
Und tatsächlich: Von Olympia-Verdruss ist erstaunlich wenig zu spüren. Der Taxifahrer, die Hotelangestellte, Leute auf der Straße – die meisten sind mittlerweile stolz darauf, dass die Welt 2032 nach Brisbane schaut.
Leuchtender Countdown
Auf einer Leuchttafel mitten im Zentrum können die Bürgerinnen und Bürger inzwischen ablesen, wie viele Jahre, Tage, Minuten und Sekunden bis zur Entzündung des olympischen Feuers bleiben. Ein Countdown für den großen Auftritt. Schließlich ist es schon eine Weile her, dass Australien zuletzt Gastgeber war. Die Spiele 2000 in Sydney sind vielen unvergessen, die „Aussies“ empfingen die Welt mit ihrer typischen Herzlichkeit. Brisbane tritt also in große Fußstapfen.
Am Victoria Park angekommen, stoßen Schaulustige auf großräumige Absperrungen. Plakate zeigen, wie das „Brisbane Stadium“ einmal aussehen soll – ansonsten ist von der künftigen Arena nichts zu sehen. Nicht einmal Baulärm dringt nach draußen. „Wir befinden uns noch ganz in der Anfangsphase“, sagt ein Wachmann. Wie lange es noch bis zur Fertigstellung brauche? „Oh, das wird Jahre dauern!“ Er sei sich nicht einmal sicher, ob es rechtzeitig fertig werde. „Andererseits, es muss ja irgendwie klappen.“
Hohe Kosten und zu wenig Betten
Insgesamt sollen 17 neue und modernisierte Sportstätten in Queensland entstehen, darunter ein National Aquatic Centre für rund 25.000 Wassersportfans. Hinzu kommen mehrere Athletendörfer. Aktuell werden die Kosten der Spiele auf etwa 15,5 Milliarden Australische Dollar (9,5 Milliarden Euro) geschätzt – Experten glauben, dass es am Ende noch deutlich teurer wird.
Und dann sind da noch die Hotelbetten. …read more
Source:: Kurier.at – Sport



