„Selbstbeschädigungsprozess“: Babler und Herausforderer Zeiler ohne Rückhalt

Politik

„Ordnen statt Spalten“ – das Motto, das sich die SPÖ 2026 selbst verpasst hat und das als Plakat auf der Parteizentrale in der Löwelstraße prangt, mutet wie ein Treppenwitz an. Denn seit spätestens einer Woche (Gerhard Zeilers Bekunden, der Richtige für die SPÖ zu sein) sind die Sozialdemokraten gespalten. Sonntagabend will sich die Vizekanzlerpartei, die auf einem Tiefstand von 15 Prozent in Umfragen liegt, nun ordnen.

Erstmals seit 2023 kommen alle SPÖ-Länderchefs in die Bundeshauptstadt, um mit SPÖ-Chef und Vizekanzler Andreas Babler Tacheles zu reden. Vorab geredet hat am Samstag Wiens Bürgermeister Michael Ludwig mit seinen Bezirksvorsitzenden. Die Wiener SPÖ habe eine klare Haltung, lässt Ludwig via X wissen. Man ziehe an „einem Strang“ und werde die „festgelegte Linie beim Treffen mit den anderen Landesparteivorsitzenden vertreten“. Welche Linie das ist, das lässt Ludwig offiziell offen.

Inoffiziell heißt es: „Babler muss weg“, weil die Umfragedaten nicht nur für den Bund, sondern auch für die Bundeshauptstadt nur eine Richtung kennen: nämlich nach unten. Ludwigs SPÖ hält laut einer IFDD-Umfrage bei 35 Prozent und verliert im Vergleich zur Gemeinderatswahl 2025 (39,38) während die Wiener FPÖ wie im Bund dazugewinnt 26 Prozent (20,35). Ludwigs Kursänderung ist insofern bemerkenswert wie heikel, als dass in seiner Partei die meisten Babler-Befürworter („Bableristas“) zu finden sind.

Doch auch sie wissen, dass es „keine Garantie dafür gibt, dass die SPÖ zweistellig sein muss“, wie es jüngst SPÖ-Kenner Josef Kalina formulierte. Bablers Kritiker wollen das Drohszenario der Einstelligkeit unbedingt verhindern und haben offene Rechnungen.

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Antipathie & Idealfall

Allen voran der wichtige Länder-Chef Hans Peter Doskozil. Er trat bekanntlich 2023 gegen Babler an und regiert mit einem Landtagswahlergebnis von 46,38 Prozent das Burgenland. Kärntens Landeshauptmann Daniel Fellner traf sich mit Gerhard Zeiler und macht zwischen den Zeilen aus seiner Antipathie gegen die „Babler-Partie“ ebenso kein Hehl.

Doch wer kommt – sollten sich Sonntagabend nun die Länderchefs wie das Bundesparteipräsidium zumindest darin einig sein, dass etwas geschehen muss, weil sonst ganz nach Heinrich Böll etwas geschieht?

Ein Szenario, das von einigen als „Idealfall“ beschrieben wird, lautet: Babler tritt aufgrund des fehlenden Rückhaltes in den roten Reihen selbst zurück. Dann nominiert der Vorstand einen Alternativ-Kandidaten, der die Geschicke vorübergehend leitet, ehe an einem außerordentlichen Parteitag dieser Interimskandidat bestätigt wird. 

Alles andere (Mitgliederbefragungen etc.), so heißt es, würde den „Selbstbeschädigungsprozess“ enorm verlängern. Nicht zuletzt deshalb, weil Babler selbst für komplexe Parteistatuten gesorgt hat, die eine einfache Abwahl des Bundesparteivorsitzenden unmöglich machen.

Als potenzielle Babler-Nachfolger kommen nicht mehr viele infrage: Finanzminister Markus Marterbauer soll parteiintern schon abgewunken haben, zumal er sich einer Krebsbehandlung unterziehen muss. Bablers Stellvertreterin als Parteichef, Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner, ließ Samstagmittag via Ö1 ausrichten: „Ich stehe nicht zur Verfügung.“ Und die wichtigste Frau in der SPÖ, die dritte Nationalratspräsidentin Doris Bures, hätte zwar den Rückhalt, hat aber bereits abgesagt, wie KURIER-Recherchen ergaben.

Einzig verbliebene Namen: Klubobmann Philip Kucher wird zugetraut, die SPÖ mittelfristig zu ordnen, und seinem Landsmann, Ex-Landeshauptmann Peter Kaiser.

Und Zeiler? Der scheint für das Gros der Parteigänger derzeit keine Option, wiewohl er die Diskussion angestoßen hat. Ob all der namhaften Absagen drängt sich noch ein – wenn auch unwahrscheinliches – …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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