Neuer Minusrekord: 5 Gründe für den Lehrlingsschwund

Wirtschaft

Die Zahl der Jugendlichen, die in Österreich im Rahmen als Lehrling in einem Betrieb ausgebildet werden, ist im Vorjahr auf ein Rekordtief gesunken. Laut aktuellen Zahlen der Wirtschaftskammer (WKÖ)  gab es Ende September 101.000 Lehrlinge, um 1.800 Jugendliche weniger als im Vorjahr. 

In den Ausbildungsbetrieben waren es Ende September 95.000 Lehrlinge beschäftigt, ein Minus von 4,3 Prozent. Weitere 6.000 waren in der vom AMS finanzierten überbetrieblichen Ausbildung (ÜBA), etwas mehr als vor einem Jahr.

Doch was sind die Gründe für den Lehrlingsschwund, der scheinbar nicht aufzuhalten ist?

1. Geburtenrückgang: Deutlich weniger Jugendliche

Der demografische Wandel ist einer der Hauptgründe für das Minus. Durch den Geburtenrückgang stehen grundsätzlich weniger junge Menschen für eine Lehre zur Verfügung. Laut Wirtschaftskammer gibt es heute rund 220.000 weniger Jugendliche im Alter von 15 bis 19 Jahren als noch 1980. 

Vor zehn Jahren wurde der Abwärtstrend gestoppt, in den vergangenen zwei Jahren sank die Zahl der Lehrlinge jedoch wieder. Dies zeigt sich besonders bei den Lehranfängern: Heuer begannen 28.100 Jugendliche (-4,8 Prozent) mit der Lehre in einem Betrieb, 3.100 begannen in der ÜBA (+7,4 Prozent). 

2. Rückgang der Ausbildungsbetriebe

Die Anzahl der Lehrbetriebe in Österreich schrumpft seit Jahren und ist im Vorjahr erneut auf rund 26.000 zurückgegangen. Nur noch 14 Prozent aller Arbeitgeberbetriebe bilden aus. Dadurch schrumpft auch das Angebot an Lehrstellen. Die meisten Lehrlinge bilden Unternehmen aus dem Gewerbe und Handwerk aus.

Die Ausbildung verlagert sich zusehends von kleinen zu größeren Betrieben. Es bilden weniger Betriebe aus, diese haben dafür aber mehr Lehrlinge. Laut Wirtschaftskammer erklärt das zum Teil den statistischen Rückgang der Anzahl der Ausbildungsbetriebe. 48,1 Prozent der Ausbildungsbetriebe haben nur einen Lehrling. Wenn diese Betriebe wegfallen, gehen gerade in vielen ländlichen Regionen berufliche Zukunftsperspektiven, berufliche Vielfalt und Kompetenzen verloren, warnt die Kammer. Dienstleistungsgewerkschafter Roman Hebenstreit spricht von „Ausbildungsstreik“ in der Wirtschaft. „Wer heute keine Lehrlinge ausbildet, darf morgen nicht über fehlende Fachkräfte klagen.“

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3. Imageproblem der Lehre

Die Lehre gilt vielen Eltern und Jugendlichen noch immer als „Plan B“ gegenüber Matura und Studium. Das duale Ausbildungssystem wird international gelobt, intern aber als Problemkind wahrgenommen. 

Der Trend geht zu höheren Schulen. Nur noch rund ein Drittel der 15-Jährigen beginnt eine Lehre, vor zehn Jahren waren es noch 40 Prozent. Die Gewerkschaft sieht auch in den Arbeitsbedingungen und in der geringen Entlohnung ein Imageproblem. Die Sozialpartner waren zuletzt bemüht, die Lehrlingseinkommen stärker anzuheben als den KV-Lohn bzw. Gehalt. Laut Wirtschaftskammer sind Lehrlinge alles andere als billige Arbeitskräfte. Im Gegenteil: Die Betriebe gingen finanziell in Vorleistung. Für ein Unternehmen rechne sich die Ausbildung eines Lehrlings erst, wenn ein fertig ausgebildeter Lehrling noch weitere Jahre im Betrieb bleibt.

4. Schwache Konjunktur

Die Konjunkturflaute sorgt generell für weniger Personalnachfrage, insbesondere in der Industrie. Dort war das Lehrlingsminus in den vergangenen Jahren am stärksten. Ein deutliches Minus gibt es auch im Bereich Information & Consulting, wo ohnehin nur wenige Jugendliche eine Lehre machen. Hier dürfte auch der verstärkte Einsatz von KI eine Rolle spielen. 

5. Mismatch und fehlende Qualifikation

Trotz Lehrlingsrückgang finden Tausende Jugendliche keine passende Lehrstelle, vor allem in Wien. Hier gibt es aktuell um 5.163 mehr Lehrstellensuchende als offene Stellen registriert sind. In …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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