Stephen Kings Horrorklassiker „Carrie“ als Serie: Horror, jetzt mit Handy

Kultur

Jetzt so im Rückblick muss man schon sagen, dass Carrie ein bisschen übertrieben hat. Eh, Schule immer blöd, andere Kinder noch blöder. Aber wer schon in den 1970ern das Schuljahr mit einem telekinetischen Blutbad mit Feuer beenden muss, weil alles gar so schlimm ist, der würde in den 2020ern eventuell nicht den dritten Schultag überstehen, ohne alle (und dazu noch den Rest der Menschheit) umzubringen. Das Bullying, die Teenagerangst und die Bösartigkeit sind jetzt eher nicht besser geworden. Hass geht so schön viral!

Ha, dachte man sich dementsprechend wohl bei Prime Video, gute Idee! Und so ist nun ein Remake des Stephen-King-Brian-de-Palma-Klassikers zu sehen, das den Horror von damals in den Horror von heute überführt.

Wie man das jetzt so tut, wird aus dem 98-Minuten-Film eine Acht-Stunden-Serie. Und ja, dem ersten Eindruck nach könnte das etwas viel Carrie sein, aber da ist man wohl den Aufmerksamkeitszwängen des Streaming unterworfen, was inzwischen eine eigene Art von Horror geworden ist.

Summer H. Howell geht die Hauptfigur auf überraschende Weise an: Man trifft sie als neugieriges, eigentlich gut gelauntes junges Mädchen, das nach einer schwierigen Zeit in die Welt hinaus muss. Dass diese Welt eine Schule ist, na ja, das ist dann halt ein Problem.

Man erinnert sich.

Dort trifft sie Chris (Alison Thornton), die im Original gnadenlose Quälerin, deren brutale Piesackereien am Ende das Monster in Carrie hervorrufen. Aber, man hat ja Zeit, auch Chris kriegt hier ein bisschen mehr Form als im Film, sie hat schon ihre Gründe, so mies zu sein. Was die Gemeinheiten, die sie und ihre Bande Carrie antun, nicht besser machen.

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Handy hoch!

Denn, viele Kinder heute können ein depressives Lied davon singen, der wahre Horror ist die Aufnahmebereitschaft der Mobiltelefone. Die zeichnen nun jene herzzerreißende Szene auf, als Carrie – ahnungslos – in der Dusche ihre Regel kriegt, und geben sie in der ganzen Schule zur Häme frei.

Und das ist noch nicht mal das Gemeinste.

Jetzt könnte man sagen: Die Welt ist derzeit so furchtbar, wozu will man sich auch noch am Abend beim Entspannen gruseln? Aber so wie Stephen King damals in den Abstiegsängsten Amerikas nach dem großen Boom wühlte, so gibt es heute ganz neue Schrecklichkeiten. Augen zu machen bringt da leider auch nichts.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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