
Der frühere deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder hat nach seinem Einstieg in den Aufsichtsrat der russischen Supermarktkette Hyperglobus eine Filiale in Moskau besucht. Aufnahmen des russischen Wirtschaftssenders RBC zeigen, wie der 82-Jährige von Mitarbeitern mit Applaus empfangen wird.
„Ich freue mich sehr, hier zu sein, diesen beeindruckenden Markt und die Ergebnisse Ihrer Arbeit zu sehen sowie Sie, meine lieben Kollegen, kennenzulernen“, sagte Schröder bei seinem Besuch. Dass er die Beschäftigten als Kollegen bezeichnete, begründete er mit seiner eigenen Vergangenheit. Nach der Volksschule hatte Schröder eine Lehre als Einzelhandelskaufmann absolviert. „Ich bin also Kollege“, sagte der frühere SPD-Politiker.
Den Mitarbeitern riet Schröder, auch dann die Nerven zu behalten, wenn Kunden „immer mehr erwarten, als man geben kann“ und die Interessen des Unternehmens im Auge zu behalten.
Seit September im Aufsichtsrat
Schröder gehört seit 30. September dem Aufsichtsrat von Hyperglobus an und soll dort die strategische Entwicklung des Unternehmens unterstützen. Der russische Ableger der deutschen Globus-Gruppe wurde 2025 abgespalten, tritt in Russland aber weiterhin unter dem Namen Globus auf.
Eigentümer ist der deutsche Unternehmer Thomas Bruch, der aus der Eigentümerfamilie der deutschen Globus-Gruppe stammt. Bruch hatte im Mai gemeinsam mit anderen deutschen Unternehmern an einem Wirtschaftsforum in St. Petersburg teilgenommen und dafür in Deutschland Kritik geerntet.
Enge Beziehungen zu Russland
Schröder steht seit Jahren wegen seiner engen Beziehungen zu Russland und zu Präsident Wladimir Putin in der Kritik. Die beiden verbindet seit Schröders Kanzlerschaft von 1998 bis 2005 ein enges Verhältnis.
Nach seiner politischen Karriere übernahm Schröder mehrere Funktionen bei russischen Staatskonzernen. Im Mai 2022, wenige Monate nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, legte er den Vorsitz im Aufsichtsrat des Ölkonzerns Rosneft nieder. Seine Kontakte nach Moskau und zu Putin rissen jedoch nicht ab.
Hinter Schröders Engagement bei Hyperglobus steht auch eine wirtschaftlich heikle Lage für westliche Firmen in Russland. Die russische Regierung hat zuletzt Vermögenswerte ausländischer Unternehmen unter staatliche Verwaltung gestellt. Davon betroffen waren unter anderem der deutsche Handelskonzern Metro und der französische Einzelhändler Auchan.
Hyperglobus ist inzwischen eines der größten noch in Russland tätigen Unternehmen mit deutschen Eigentümern. Schröders gute Kontakte nach Moskau könnten für den Konzern daher auch strategisch von Bedeutung sein.
Source:: Kurier.at – Politik



