
Der zweite Krisengipfel zwischen der heimischen Spitzenpolitik um Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und dem niederösterreichischen Agrarlandesrat Stephan Pernkopf (alle ÖVP) sowie Managern des belgischen Tiefkühlkonzerns Ardo am Mittwoch ist gescheitert. Dem Vernehmen nach soll das Gespräch frostig verlaufen sein. Ardo hat weitere Gespräche mit der österreichischen Politik abgelehnt. Die Belgier wollen ihre rechtlichen Bedenken geäußert haben, die eine etwaige finanzielle Stützung des Werks in Groß-Enzersdorf durch den Bund und das Land Niederösterreich nach sich führen würde. Sie behaupten, dass eine etwaige Finanzspritze am Ende gegen das EU-Beihilferecht verstoßen würde.
„Auch mögliche Unterstützungsmaßnahmen für den Standort wurden sorgfältig geprüft und erörtert. Subventionen oder jede andere Form direkter oder indirekter Unterstützung würden jedoch die strukturellen wirtschaftlichen Herausforderungen des Werks nicht beheben und das Unternehmen potenziellen rechtlichen und finanziellen Risiken aussetzen“, so Ardo in einer Aussendung. „Ardo ist nicht der Ansicht, dass die Aufrechterhaltung eines strukturell unrentablen Betriebs mithilfe öffentlicher Subventionen eine nachhaltige langfristige Lösung darstellen würde.“ Die Belgier werden diese Option daher nicht weiterverfolgen und ihre Anstrengungen weiterhin darauf konzentrieren, „einen ausgewogenen Sozialplan für die von der beabsichtigten Schließung betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erreichen.“ Auch einen Verkauf des Werks samt seines Maschinenparks an zwei österreichische Investoren, schließen die Belgier aus. Auf Anfrage des KURIER bestätigen sie nur, dass sie potenziellen Investoren kontaktiert wurden.
Verkauf des Werks lehnt Ardo ab
„Die Möglichkeit eines Verkaufs des Werks wurde von Ardo selbstverständlich eingehend geprüft“, so ein Ardo-Sprecher. „Der Standort steht vor strukturellen geschäftlichen Herausforderungen, darunter eine Kostenposition, die deutlich weniger wettbewerbsfähig ist als vergleichbare Produktionsstandorte in Mittel- und Osteuropa. Jeder potenzielle neue Eigentümer stünde vor denselben grundlegenden Herausforderungen, darunter die Notwendigkeit, den Standort mit erheblichem Kostenaufwand zu modernisieren.“ Nachsatz: „Wir glauben nicht, dass ein neuer Eigentümer das Werk angesichts dieser Herausforderungen realistisch gesehen wieder in die Gewinnzone führen könnte.“ Ardo wird dies daher nicht weiterverfolgen.“ Das ist aber nur die halbe Wahrheit: Ardo will das Werk in groß-Enzersdorf „entkernen“ und die Maschinen an andere Produktionsstandorte des Konzerns verlagern.
Das sagt die heimische Politik
Nach dem heutigen Gespräch haben Totschnig, Mikl-Leitner, Pernkopf und Mayr erklärt: „Trotz intensiver Bemühungen von Bund, Land, Landwirtschaftskammer, Arbeiterkammer, Gewerkschaft und Wirtschaftskammer lässt Ardo auf Management-Ebene bisher weiter jede Kompromissbereitschaft vermissen. Ardo wird damit seiner Verantwortung gegenüber der Belegschaft, unseren Bäuerinnen und Bauern sowie den Konsumentinnen und Konsumenten nicht gerecht.“
Die Bundesregierung unter Bundeskanzler Christian Stocker und Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, gemeinsam mit der Landesregierung unter LH Mikl-Leitner und LH-Stv. Stephan Pernkopf sowie mit Lorenz Mayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer NÖ, werde „nichts unversucht lassen und die Gespräche mit Ardo fortsetzen, auch direkt mit den belgischen Eigentümern“.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



