
Das ostafrikanische Land Eritrea hat die Vereinten Nationen zu einem Vorgehen gegen sein Nachbarland Äthiopien aufgerufen. Äthiopien habe Eritrea den Krieg erklärt, heißt es in einem Brief von Außenminister Osman Saleh an den UNO-Sicherheitsrat. Das mächtigste UNO-Gremien solle die Kriegserklärung „kraftvoll verurteilen (…) und die entsprechenden Abschreckungsmaßnahmen im Einklang mit Kapitel VII der UNO-Charta ergreifen“.
Die UNO-Charta ermächtigt den Sicherheitsrat zu umfangreichen Maßnahmen gegen Staaten, die den Weltfrieden bedrohen, von Wirtschaftssanktionen bis zu militärischer Gewalt. In den meisten größeren Konflikten kommt es aber nicht dazu, weil ständige Sicherheitsratsmitglieder dies mit ihrem Vetorecht verhindern, um sich selbst oder Verbündete zu schützen.
Diplomatische Beziehungen in der Vorwoche abgebrochen
Eritrea und Äthiopien haben erst in der Vorwoche ihre diplomatischen Beziehungen im Konflikt um die Region Tigray abgebrochen. Die Regierung in Addis Abeba wirft dem kleineren Nachbarland die Unterstützung der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) vor, die auch in Äthiopien operiert. Hintergrund des aktuellen Konflikts sind die Bemühungen Äthiopiens einen direkten Zugang zum Roten Meer zu bekommen, nachdem es diesen durch die Unabhängigkeit Eritreas verloren hatte. Mit mehr als 130 Millionen Einwohnern ist Äthiopien heute das bevölkerungsreichste Binnenland der Welt.
Eritrea hatte sich Anfang der 1990er Jahre nach einem drei Jahrzehnte währenden Krieg von Äthiopien abgespalten und sich 1993 für unabhängig erklärt. Wegen eines Grenzkonflikts führten die beiden Länder am Horn von Afrika von 1998 bis 2000 erneut Krieg gegeneinander. Rund 80.000 Menschen starben. 2018 nahmen beide Länder wieder diplomatische Beziehungen auf. Im folgenden Jahr erhielt der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed für den Friedensschluss mit Eritrea den Friedensnobelpreis.
Source:: Kurier.at – Politik



