Vor Lego: Was historische Baukästen über Epochen verraten

Wirtschaft

Gebäude, Brücken und Landschaften im Kleinen nachbauen oder neu entwerfen, dafür gab es früher sogenannte Architekturbaukästen. Das Konstruktionsspielzeug war in den Jahren 1890 bis 1990 beliebt. In der Ausstellung, die das MAK den Architektur-Baukästen widmet, sind rund 70 Exemplare zu sehen, viele in Form aufgebauter Modelle, als Mitspielausstellung.

Kern der Schau in Kooperation mit dem Deutschen Architekturmuseum (DAM) ist eine 150 Objekte umfassende Privatsammlung des Wiesbadener Grafikers Claus Krieger. „Er sammelt nicht in dem Sinne von ’noch ein Kasten, noch ein Kasten, noch ein Kasten‘, sondern er hat eine unglaubliche Freude daran, diese Dinge auch zu bauen“, sagte Oliver Elser vom DAM.

Von den einst unzähligen Bauspielsystemen – allein im deutschsprachigen Raum produzierten rund 900 Firmen – werden heute nur noch wenige hergestellt. Während nun die meisten Kinder mit Lego aufwachsen, gab es einst eine Fülle von Materialien: künstlicher Ziegelstein, Holz, Metall, aber auch längst vergessene Stoffe wie Galalith (Milchstein). Man überlegte sich, wie man die Steine dauerhaft verbinden könnte. „Das kann etwa mit einer Art Rillenprinzip funktionieren“, so Elser. „Das können aber auch Kautschuksteine mit Noppen sein.“

Den Anfang nahm alles mit der Firma Anker. Deren Bausteine waren laut Elser eine Idee der Brüder Gustav und Otto Lilienthal. „Otto Lilienthal, der deutsche Flugpionier, war nebenbei ein sehr guter Erfinder und ein sehr schlechter Geschäftsmann. Weshalb wir jetzt nicht von den Lilienthal-Steinen reden, sondern von den Ankersteinen, weil die Firma Anker hat das übernommen.“

Kathedrale und Moloch Großstadt

 Ein Highlight der Ausstellung ist eine Kathedrale aus 4.000 Filzbausteinen in der Säulenhalle. Baukasten-Steine der Systeme „Minibrix“, „Tetek“ und „Dusyma“ sowie der „Kleine Großblockbaumeister“ aus DDR-Produktion warten auf alle, die mitmachen wollen. Auch virtuell kann man per VR-Brille in Modellwelten eintauchen.

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Architekturgeschichtlich spannend: Die Baukästen zeigten die jeweils neueste Architektur ihrer Epoche. Das beginnt bei Ankersteinen, die reich geschmückten Bauten der Gründerzeit zeigen. Auch seinerzeit Umkämpftes wie die Architektur der 1920er-Jahre wurde übernommen. Der Ingenius-Kasten (1924) des Architekten Wilhelm Kreis, produziert in Wien, nimmt das Motiv des „Molochs Großstadt“ des berühmten Stummfilms Metropolis (1927) vorweg.

Infos: Zu sehen bis 14. März 2027 im MAK am Stubenring 5 in Wien.     www.mak.at

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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