Vorbild für Österreich? Warum 21 Länder auf eine Armee verzichten

Politik

2,9 Billionen Dollar. So viel gab die Welt 2025 für ihr Militär aus. Ein Rekord. Europa rüstet wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine auf, China treibt seine militärische Modernisierung voran, und auch Staaten wie Japan, Taiwan und Südkorea investieren massiv in ihre Streitkräfte. Selbst das neutrale Österreich steckt Milliarden Euro ins Bundesheer.

Doch es gibt ein bemerkenswertes Gegenmodell: 21 UN-Mitgliedstaaten kommen ohne konventionelle Streitkräfte aus. Das vielleicht eindrucksvollste Beispiel ist Costa Rica. Seit 1949 verzichtet das Land auf eine eigene Armee. Vorausgegangen war ein 44 Tage dauernder Bürgerkrieg. Panama löste seine Armee auf, nachdem US-Truppen 1989 einmarschiert waren und Machthaber Manuel Noriega gestürzt hatten. Island, Mauritius und die Salomonen haben nie eigene Streitkräfte aufgebaut. Zu den übrigen 16 Staaten zählen europäische Kleinstaaten wie Andorra und Liechtenstein sowie zahlreiche Inselstaaten in der Karibik und im Pazifik. Kann das auf Dauer funktionieren?

Dieser Frage ging der Militärpolitologe Zoltan Barany von der University of Texas at Austin nach. Er untersuchte Costa Rica, Panama, Island, Mauritius und die Salomonen. Seine Leitfrage: Wie sichern sich die Staaten ohne Armee ab, und welche Folgen hat das für Demokratie und Wohlstand? Die Ergebnisse veröffentlichte er 2026 in seinem Buch „States without Armies: Why They Exist and How They Survive“. Und was fand Barany heraus? Keine Armee bedeutet nicht keine Sicherheitspolitik. Die Aufgaben werden nur anders verteilt. Für die innere Sicherheit sorgen weiterhin Polizeikräfte, in manchen Staaten auch Grenzschutz, Küstenwachen oder spezialisierte Einheiten.

Schutzmächte

Bei der Verteidigung gegen äußere Bedrohungen sind die Länder dagegen auf andere angewiesen: auf Bündnisse, Schutzmächte oder regionale Sicherheitsabkommen. Die Staaten bleiben also rechtlich souverän, sind bei ihrer Verteidigung aber von anderen abhängig. Besonders deutlich wird das an Island. Das Land ist seit 1949 NATO-Mitglied, obwohl es keine eigene Armee besitzt. Statt Soldaten stellt das Land dem Bündnis vor allem seine strategisch wichtige Lage im Nordatlantik und militärische Infrastruktur zur Verfügung. Zudem sichert ein Verteidigungsabkommen mit den USA seit 1951 seinen Schutz. Island verzichtet also auf eigene Streitkräfte, nicht aber auf militärische Verteidigung.

  Proteste in Indien: Gründer der Kakerlaken-Bewegung festgenommen

Costa Rica ist über den Rio-Pakt zum gegenseitigen Beistand mit anderen amerikanischen Staaten verpflichtet. Die USA helfen zudem beim Kampf gegen Drogenhandel. Auch die südpazifische Inselgruppe der Salomonen ist auf ausländische Sicherheitspartner angewiesen. Lange war Australien ihr wichtigster Partner, inzwischen gewinnt auch China an Einfluss.

Mittel für Bildung und Gesundheit

Der Verzicht auf eine Armee kann sich auch wirtschaftlich auszahlen. Barany verweist auf eine Studie zu Costa Rica, die der Abschaffung der Streitkräfte einen erheblichen Entwicklungseffekt zuschreibt: Das jährliche Pro-Kopf-Wachstum stieg demnach von 1,42 auf 2,28 Prozent. Frei gewordene Mittel konnten unter anderem in Infrastruktur, Bildung und Gesundheit fließen. Gegenüber dem KURIER warnt Barany allerdings vor einem Trugschluss: „Nur weil ein Staat kein Geld für eine Armee ausgibt, fließt es nicht automatisch in Schulen oder Krankenhäuser.“ Die Friedensdividende sei „als Möglichkeit real“.

Entscheidend ist aber, ob die Politik das eingesparte Geld tatsächlich für Bildung, Gesundheit und die Entwicklung des Landes nutze. Costa Ricas Erfolg lasse sich deshalb nicht allein mit der Abschaffung der Armee erklären.

Österreich ohne Armee?

Aber wäre ein Staat ohne Armee auch in Österreich denkbar? Barany hält …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

(Visited 2 times, 2 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.