Vom Maschinenbauer zum Bogenschieß-Trainer: Wie aus einem Hobby ein Beruf wurde

Wirtschaft

Diese Woche starteten wieder die Kurse des Universitätssportinstituts (USI) in Wien. Besonders regen Zulauf gibt es heuer beim Bogenschießen. Ob der neue Blockbuster „Die Odyssee“ damit zu tun hat, kann Trainer Martin Ptacnik zwar nicht bestätigen. Fest steht für ihn aber: „Es gibt einen Boom.“ Ptacnik unterrichtet seit 2004 Bogenschießen, gründete 2009 die Bogensportakademie und ist seit 2016 international zertifizierter World-Archery-Coach-Trainer. Studiert hat er allerdings Maschinenbau an der TU Wien. Wie er aus seiner Leidenschaft einen Beruf machen konnte, erklärt er dem KURIER.

KURIER: Seit über 30 Jahren sind Sie im Bogensport tätig – wie kam es dazu?

Martin Ptacnik: Ich habe schon als Kind im Garten mit Pfeil und Bogen geschossen. Ich dachte mir irgendwann, dass es wunderbar wäre, das als Beruf zu machen. Obwohl ich mir nicht vorstellen konnte, was das heißt, wie man das machen und damit Geld verdienen kann.

Und doch haben Sie es geschafft.

Ich hatte das Glück, dass ich da hineingerutscht bin. Es hat sich eine Plattform aufgetan, die nicht jeder bekommt. Die Trainerarbeit ist meist ehrenamtlich und unbezahlt. Davon kann man nicht leben. Durch die vielen Kurse habe ich gesehen, dass es für mich möglich war, das zum Beruf zu machen. Das ist eher die Ausnahme.

Wie fasst man Fuß in einem Nischenjob?

Wenn man eine Faszination hat, sich engagiert und sich um die Ausbildungen kümmert, ist es möglich. Der Hauptantrieb ist das eigene Interesse. Man muss aber davon ausgehen, dass es immer ein Hobby bleibt, man macht das für sich. Wenn man sich nicht selbst darum kümmert, passiert nichts.

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Trotzdem studierten Sie Maschinenbau.

Und ich habe mich gleichzeitig im Sommersemester 1991 für den USI-Kurs „Bogenschießen“ angemeldet. Dort bin ich dann hängengeblieben. Mein Lehrer hatte den höchsten Ausbildungsstatus in Österreich. Er nahm mich damals mit zur Universiade nach Frankreich. Ich wurde als Bester des österreichischen Teams Zehnter und bin mit einer Plakette zurückgekehrt.

Welche Rolle spielen Mentoren dabei?

Sie sind sehr wichtig. Meine Lehrer waren für mich immer Vorbilder. Ich wollte es ihnen gleichtun. Mein Anspruch war, sie in ihrem Können einzuholen.

Hat das Maschinenbaustudium geholfen?

Das Studium war eines der Dinge, die mich auf dieses Niveau gebracht haben. Es hat sich bewährt, logisch, methodisch und sehr strukturiert an die Sache heranzugehen. Die physikalischen Grundlagen helfen, die Abläufe im Detail zu verstehen und zu erklären.

Das machen Sie aktuell auch als Trainer.

Mein Ziel ist es, mein Feuer weiterzugeben und andere damit anzustecken, auch wenn es nur eine einzige Person ist, die sich dann dafür interessiert. Ich dachte lange, dass ich aus meinem Leben nicht viel gemacht hätte, weil ich nichts Bedeutendes für die Welt tue. Bis mir ein Schüler einen Hinweis gegeben hat, der alles verändert hat: Ich mache einen großen, wichtigen Schritt für all jene, die ihre Freizeit als Ausgleich und Gegenpol zum Alltag sehen. Diese Perspektive hat mir einen Sinn gegeben und neuen Antrieb. Das macht mich stolz.

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Sie haben oft ein anderes Bild vom Bogenschießen. Viele gehen vielleicht etwas oberflächlich an die Sache heran und wollen schnell von einer Sache zur nächsten …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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