Rosalie Thomass: „Das Zunehmen war ein Akt der Befreiung“

Kultur

Rosalie Thomass war gerade 16 Jahre alt, als sie bei einem Casting vorsprach und die Rolle nicht bekam. Der Regisseur ließ ihr danach ausrichten, sie könne eine großartige Schauspielerin sein – wenn sie zehn Kilo abnehme.

„Ich bin zum Glück relativ widerspenstig und dachte: ,Hä, aber das hat doch nichts mit meinem Spiel zu tun? Entweder ich kann das gut oder nicht. Mein Körpergewicht hat keinen Einfluss auf mein Talent.’ Ich fand das so abstrus, dass ich den ,Ratschlag’ ignoriert habe.“

Rosalie Thomass ist immer noch empört, wenn sie heute an diese Geschichte denkt. Schon aus diesem Grund sei es ihr auch keineswegs schwergefallen, für ihre Rolle in „Lügen über meine Mutter“ einige Kilo zuzulegen, erzählt sie im KURIER-Gespräch: „Essen ist schön. Und deswegen war das Zunehmen jetzt für mich als Schauspielerin ein Akt der Lust und der Befreiung.“

Erinnerung an die Mutter

Als Rosalie Thomass den Bestseller „Lügen über meine Mutter“ von Daniela Dröscher las, war sie sofort begeistert. Dröscher erzählt aus der Perspektive eines jungen Mädchens die Ehegeschichte deren Mutter – beginnend in den 1980er-Jahren.

Die Mutter, genannt Cornelia, ist eine lebenslustige Person, die gerne genießt und sich dauernd von ihrem nörgelnden Ehemann vorhalten lassen muss, dass sie zu dick sei. Wenn er seine Beförderung nicht bekommt, ist sie schuld – „weil man sich mit dir nicht sehen lassen kann“. Beleidigende Bemerkungen, Ermahnungen und Diätvorschriften stehen auf der Tagesordnung und verwandeln das Leben der Mutter in einen einzigen Spießrutenlauf. Auch ihre Bemühungen, nach dem ersten Kind wieder ins Arbeitsleben zurückzufinden, werden von Mann und Schwiegermutter offen boykottiert. Als dann noch ein zweites Kind folgt, muss sich Cornelia auf ihre Rolle als unbedankte Hausfrau und Mutter zurückziehen.

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Nach der Lektüre von „Lügen über meine Mutter“ erwarb Rosalie Thomass umgehend die Filmrechte, schrieb in Absprache mit der Autorin das Drehbuch und übernahm auch gleich die Hauptrolle.

Dabei sei es ihr wichtig gewesen, „dass Daniela Dröscher weiß, dass es mir nicht einfach um eine Bestsellerverfilmung geht, sondern wirklich um ein Herzensprojekt, wo ich meine eigene Perspektive einbringen kann.“

Rosalie Thomass schrieb Dröscher einen „sehr persönlichen Brief“, in dem sie ihr erzählte, wie sehr sie das Frauenschicksal in dem Roman an ihre eigene Mutter und viele andere Frauen erinnerte, deren Sehnsüchte aufgrund der gesellschaftlichen Vorstellungen von Mutterschaft unerfüllt blieben: „Mich hat vor allem die Vorstellung begeistert, in einem Film ein weibliches Leben sichtbar zu machen und Themen zu verhandeln, die ich so auf der Leinwand kaum sehe. Damit meine ich die unsichtbare Arbeit, die Frauen leisten, das Häusliche, die Sorgearbeit, die wir als Gesellschaft so gering schätzen und wo wir immer ein ,nur’ davorsetzen: nur Hausfrau, nur Mutter – und davon ausgehen, dass Frauen das ja gerne neben allem anderen machen.“

In „Lügen über meine Mutter“ (derzeit im Kino) ringt Rosalie Thomass als Cornelia „um Selbstbestimmung und Würde. Das war mir sehr wichtig“, betont die Schauspielerin. Trotz aller Schikanen seitens des Mannes nimmt sich Cornelia als erotische Frau wahr: „Deshalb haben wir uns auch gegen das Auspolstern entschieden, wir wollten einen echten weiblichen Körper zeigen sichtbar machen, auch mit nackter Haut“, …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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