
Regisseur Adrian Goiginger hatte sie noch während der Dreharbeiten von „Vier minus drei“ vorgewarnt: Valerie Pachner solle sich schon mal auf Preise gefasst machen. Und: am besten gleich ein neues Regal für die Trophäen anschaffen.
Die Schauspielerin selbst hatte zu dem Zeitpunkt jedoch keinen Kopf für solche Überlegungen: „An das Resultat oder wie der Film später ankommen wird, denke ich während der Arbeit nicht, ich bin da nur dem Moment und der Geschichte verschrieben“, erzählt die gebürtige Oberösterreicherin dem KURIER. Auch über Auszeichnungen mache sie sich während der Entstehung eines Films keine Gedanken: „Denn in meiner Arbeit geht es ja nicht darum, Preise zu gewinnen oder auf Festivals zu laufen.“
Goiginger sollte mit seiner Prophezeiung jedenfalls Recht behalten: Für ihr feinfühliges Spiel in „Vier minus drei“ wurde Pachner heuer bereits mit zahlreichen Preisen bedacht – mit dem Diagonale-Schauspielpreis, dem Österreichischen Filmpreis und dem Deutschen Schauspielpreis. Nun ist die 39-Jährige auch für eine KURIER ROMY nominiert.
In „Vier minus drei“ verkörpert sie Barbara, die als Clownin arbeitet und Kinder im Krankenhaus zum Lachen bringt. Bei einem Autounfall verliert sie ihren Partner Heli (gespielt von Robert Stadlober) und ihre beiden Kinder Thimo und Fini. Der Film beruht auf der gleichnamigen Autobiographie von Barbara Pachl-Eberhart.
„Ich musste mir das von der Seele duschen“
Am herausforderndsten, sagt Pachner, seien beim Dreh gar nicht die emotionalen Momente gewesen. „Ich hatte tatsächlich am meisten Angst vor den Clown-Szenen, dass ich das nicht kann und nicht lustig bin. Bis zum Schluss habe ich zu Adrian gesagt: Wenn das nichts wird, müssen wir einen anderen Weg finden.“ Im Endeffekt hätten sich diese Parts als gar nicht so schlimm erwiesen.
Doch wie fühlt man sich nach einem Drehtag, an dem man den Verlust der eigenen Familie spielen muss? „Es war schon anstrengend und ich musste mir das danach ein bisschen von der Seele duschen“, erinnert sich Pachner. „Aber das Besondere an Barbara ist ja, dass sie nicht daran zerbricht. Dadurch hat mir die Figur quasi Kraft gegeben.“
Diese Resilienz, ist die Mimin überzeugt, kann man lernen. Die größten Experten dafür: Clowns. „Sie kommen in ein Krankenzimmer und werten den Raum um. Die Krankheit und das Schreckliche ist immer noch da, aber sie fokussieren sich auf Licht, Leichtigkeit, Liebe und Vertrauen“, so Pachner. „Ich hatte das Gefühl, dass ich mir das wirklich mitnehmen kann, diese Art, aufs Leben zu schauen – ohne, dass man etwas verdrängt. Ich hasse toxische Positivität. Aber hier wird neben das Schwierige und Dunkle etwas anderes, etwas Leichteres gestellt. Das finde ich einen kraftvollen Umgang mit Schicksalsschlägen.“
Viele hätten ihr gesagt, dass sie Angst hatten und den Film eigentlich nicht sehen wollten. „Danach waren sie aber sehr froh, weil er einen nicht traurig und dunkel zurücklässt, sondern mit Lebensmut und einem Gefühl von Lebendigkeit“, findet Pachner. „Der Tod rückt das Alltagsblabla in den Hintergrund. Und ich glaube, es ist gut, sich das immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, auch wenn man nicht mit dem Tod konfrontiert ist. Diese Auseinandersetzung kann etwas total Positives in einem auslösen, nämlich dass man merkt, was man schätzt …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



