Wirtschaft erholt sich langsam, Probleme bleiben

Wirtschaft

Auf den ersten Blick sieht die Herbstprognose, die die Wirtschaftsforscher von WIFO und IHS am Mittwoch präsentierten, nicht schlecht aus. Die heimische Wirtschaft dürfte  trotz der Belastung durch den Iran-Krieg langsam wieder Fahrt aufnehmen. 

Für heuer prognostizieren WIFO und IHS ein BIP-Wachstum von 0,9 bzw. 0,8 Prozent. Für 2027 hob das WIFO seine Prognose auf 1,3 Prozent an, das IHS geht weiter von 1,0 Prozent aus. Treiber der Erholung sei die Industrie, sagte WIFO-Chef Gabriel Felbermayr. Die Auftragslage sei gut, die Stimmung verbessere sich. Der Welthandel lege getrieben vom Technologieboom zu. Davon profitiere auch die heimische Industrie, sagte IHS-Chef Holger Bonin. Das Exportwachstum werde heuer 2,6 Prozent und im nächsten Jahr 2,8 Prozent betragen. 

Reallöhne gesunken

Allerdings verdecken die Zahlen auch Entwicklungen, die den Wirtschaftsforschern Sorgen bereiten. Die größte Belastung sehen sie durch die hohen Importpreise für Energie. Der Preis für Rohöl der Sorte Brent hat sich im vergangenen Jahr fast verdoppelt, der Gaspreis sogar verdreifacht. Der schwache Euro macht die Situation nicht einfacher. „Österreich produziert mehr, kann sich aber wegen der hohen Energiepreise immer weniger leisten“, sagte Felbermayr. Die realen Netto-Löhne und- Gehälter sollen im laufenden Jahr nach Berechnungen des WIFO um 1,5 Prozent sinken. Das dämpft auch die Konsumlust.

Inflation bleibt hoch

Ihre Inflationsprognosen hoben die  Institute an. Laut dem  WIFO soll die Teuerungsrate heuer auf 3,3 statt wie zuvor angenommen 3,2 Prozent steigen, das IHS rechnet mit einer Inflation von 3,1 Prozent statt 3,0 Prozent. Im kommenden Jahr gehen die beiden Institute  von einem Anstieg von 2,6 bzw. 2,8 Prozent aus.

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Die Maßnahmen der Regierung zur Inflationsbekämpfung –  von der Senkung der Elektrizitätsabgabe, Mietpreis- und Spritbreisbremsen bis zur Halbierung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel – begrüßt Felbermayr. Die Inflation sei deshalb in Summe um 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte niedriger ausgefallen. 

Von der Paketsteuer, mit der die Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel gegenfinanziert werden soll, sind die Wirtschaftsforscher wenig angetan. Möglicherweise müsse man  zur Gegenfinanzierung andere Wege  finden. Einsparungen wären besser gewesen, meinte Bonin. Aber auch mit einer Verteuerung von Online-Bestellungen durch die umstrittene Abgabe sei in Summe ein inflationsdämpfender Effekt gegeben, sagte Bonin. Die Inflation verharre aber auf einem zu hohen Niveau. Die Energiepreise bleiben ein „großer Unsicherheitsfaktor“.

Sorgen bereitet Felbermayr der starke Anstieg der Anleihenzinsen wegen der weltweit steigenden Staatsverschuldung und der hohen Nachfrage nach Fremdkapital für den KI-Boom. Das wirke sich negativ auf Investitionen aus, auch für Privatpersonen. Für den Wohnbau bedeutet das nichts Gutes.

Bausektor im Argen 

Im Bausektor liegt ohnedies viel im Argen. Er hat seit 2018 laut Felbermayr ein Viertel der Bruttowertschöpfung eingebüßt. Der WIFO-Chef spricht sich  für eine Baustrategie aus. Es brauche ein abgestimmtes Konzept. Felbermayr erneuerte seine Forderungen, sanierte Altbauten mietrechtlich wie Neubauten zu behandeln:  „Das könnte einen Sanierungsboom auslösen.“ 

Dazu sollte auch die Kreditvergabe der Banken nicht zusätzlich erschwert und nach Lösungen gesucht werden, wie Kommunen   beim gemeinnützigen Wohnbau unterstützt werden können. „Das hätte eine stärkere preissenkende Wirkung wie die Mietpreisbremse“, sagte der Wirtschaftsforscher.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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