
Die Besetzung von Georges Bizets „Carmen“ im Repertoire der Wiener Staatsoper weckte die Neugier. 2013 war der Roberto Alagna zuletzt in der Partie des Don José in diesem Haus zu erleben.
Inzwischen ist er 63 und hat seine Tenorstimme noch immer im Griff. Beim Auftritt klingt er noch hart, doch das gibt sich. Bei der „Blumen-Arie“ profitiert er von seiner Routine. Der Eindruck, dass hier ein Tenor agiert, der vor allem sich selber auf der Bühne ins Zentrum stellt, bleibt. Er nützt jede Szene, um seine Leidenschaft auszuspielen. Im Finale, wenn er Carmen niederstreckt, ist er ganz in seinem Element und verleiht seiner Stimme einen hellen Glanz.
Stéphanie d’Oustrac singt seit Jahren die Titelpartie bei bedeutenden Festivals und an großen Häusern. Das ist der französischen Mezzosopranistin, der Urenkelin des Komponisten Francis Poulenc, anzumerken. Sie hat sich ihre Carmen quasi zurechtgeschneidert. Es wirkt in diesen Zeiten ziemlich retro, wenn sie ihre Lust am Verführen offensiv ausstellt. Sie trägt mit ihrem vulgären Spiel dick auf und das wirkt gekünstelt. Ihre zentralen Lieder, die Habanera und die Seguidilla, intoniert sie mit Routine. Ihre „Karten“-Arie stattet sie mit einem Übermaß an Dramatik aus.
Absolut zu bedauern war in der ersten Vorstellung Philipp Sly als Escamillo. Der kanadische Bariton faszinierte im Sommer bei den Salzburger Festspielen als Messiaens „Saint François d’Assise“. Die Partie des Toreros ist davon weit entfernt. Er wagte es trotzdem und das auch noch schwer angeschlagen, wie eine Pressesprecherin der Staatsoper auf Anfrage bestätigte. Warum er sich nicht ansagen ließ, konnte nicht eruiert werden.
Florina Ilie, die kurzfristig für Anna Bondarenko eingesprungen war, verkörpert auch vokal eine brave Micaela. Der ungarische Dirigent Henrik Nánási präsentierte sich bei seinem Debüt am Pult des Staatsopernorchesters als umsichtiger Kapellmeister, der von der Ödnis, die sich nach einigen Jahren in Calixto Bieitos Inszenierung einschleicht, ablenkte.
Source:: Kurier.at – Kultur



