„Blaue Lifestyle-Teilzeit“: Wie Kucher Kickl im Parlament grillte

Politik

Was SPÖ-Klubchef Philip Kucher am Donnerstag im Plenum des Nationalrats abgeliefert hat, hätte ebenso gut auf eine Kabarett-Bühne gepasst. In einer sechsminütigen Redebeitrag zum Misstrauensantrag der FPÖ grillte er den blauen Parteichef Herbert Kickl – konsequent per „Du“ und im Kärntner Duktus.

Dass ausgerechnet Kickl einer Regierung „Stabilität“ erklären wolle, sei spannend gewesen, leitet Kucher ein. „Das war ein bisserl eine hatscherte Rede, täten wir in Kärnten sagen. Das hast selber gespürt.“

Kucher erinnert an Knittelfeld, Kärnten und Ibiza: Es sei „nicht sonderlich erfolgreich“ gewesen, was die FPÖ bisher als Regierungspartei geliefert habe.

„Stärker am Sessel geklebt als irgendein Klimakleber auf die Straße“

Dass nun ausgerechnet die FPÖ mit Neuwahlanträgen Spielchen spiele, sei ein gutes Beispiel dafür, wie sich der Standort vom Standpunkt unterscheide, so Kucher. Als Strache auf Ibiza „nicht nur sich selbst mit Wodka weggesprengt“ habe, sondern gleich die ganze Regierung, sei Kickl (damals Innenminister) einer der ersten gewesen, der sagte, er wolle weitermachen. „Du hast dich stärker an den Sessel des Innenministeriums geklebt als irgendein Klimakleber auf die Straße“, so Kucher in Richtung Kickl.

Fast rührend habe „der Herbert“ damals in Richtung des damaligen Kanzlers Sebastian Kurz (ÖVP) gesagt: „Bitte, bitte, bitte, lieber Sebastian, unsere Hand ist ausgestreckt. Bitte, bitte gehen wir doch den gemeinsamen Weg weiter.“

Kurzum: Kickl habe trotz des Ibiza-Skandals weitermachen wollen; heute wolle er „bei der kleinsten Meinungsverschiedenheit“ der amtierenden Regierung Neuwahlen haben. „Das passt hinten und vorne nicht zusammen.“

Die FPÖ habe nicht nur bewiesen, dass sie es nicht könne, sie habe zuletzt auch gezeigt, dass sie nicht wolle, leitet Kucher zu Teil 3 seines Stücks über.

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„Sieben oder acht Stunden? Wie viel Zeit hast du investiert, um Kanzler zu werden?“

Eine Frage interessiere ihn brennend, sagt er. ÖVP und FPÖ haben nach der vergangenen Nationalratswahl einen Monat lang über eine Koalition verhandelt. „Waren es jetzt sieben oder acht Stunden, die du in diesem Monat gearbeitet hast?“, fragt Kucher. „Herbert, wie viel Zeit hast du investiert, um Bundeskanzler zu werden?“

Zur Erklärung: Die ÖVP schilderte nach den gescheiterten Verhandlungen, dass Kickl persönlich kaum anwesend gewesen sei. Was Kickl bis dato auch nicht dementierte.

„Blaue Lifestyle-Teilzeit“

„Der Herbert war dann das erste Opfer der blauen Lifestyle-Teilzeit“, sagt Kucher. Wenn die FPÖ jetzt vor einer Zwei-Klassen-Medizin warnt, müsse er aufpassen, dass er – wenn er sich beim Wandern verletzt – nicht nur ein halbes Pflaster bekomme.

Tosender Applaus bei der SPÖ für diesen Gag. Versteinerte Mienen bei der FPÖ, vereinzelt muss aber doch der ein oder andere Abgeordnete schmunzeln. Kickl sitzt da, betont gelassen, und hört seinem Landsmann zu.

„Die Hälfte hat eh keinen Führerschein mehr“

Die FPÖ sei nicht nur gegen die Regierung, sondern mittlerweile auch schon gegen die eigenen Anträge sei, fährt Kucher fort. Haft in der Heimat, ein strengeres Waffengesetz, Social-Media-Verbot, Maßnahmen gegen die Teuerung: „Wer ist dagegen? Die FPÖ.“

Über die Spritpreisbremse rede er gar nicht, setzt Kucher zu seinem finalen Gag an. „Die Hälfte von euch hat inzwischen eh keinen Führerschein mehr, deswegen habt ihr vielleicht kein Mitgefühl in dieser Frage.“

„Ich möchte keine Sekunde behaupten, dass alles perfekt ist“, sagt Kucher, „aber wir arbeiten Tag …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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