
Durch große Fensterflächen fällt der Blick vom baumbeschatteten Vorplatz auf eine Skulptur von Franz West, ein Gemälde von Martha Jungwirth und zwei riesige Materialbilder des Jungstars Alexandre Diop. Teils hängen die Kunstwerke an roh belassenen Wänden, teils wurde neu verputzt – vor allem am zentralen, durch große Luster erleuchteten Abgang, der in einen denkmalgeschützten Jugendstil-Theatersaal führt.
Viel wurde während der Bauarbeiten über diesen Ort gemutmaßt, der KURIER berichtete mehrfach – doch der Eigentümer, der Wiener Unternehmer Reza Akhavan, reagierte auf Anfragen nicht. Bis jetzt: Die Vermutung, die „Akhavan Collection“ könnte als diskreter Umschlagplatz für umstrittene Kunst dienen, stieß dem geschäftsführenden Gesellschafter der Immobilienfirma JPI sauer auf.
„Ich habe nicht diese Immobilie gekauft, um hier kaufmännisch zu agieren. Dieser Raum hat es verdient, dass die Kunst hierher zurückkehrt“, erklärt Akhavan bei einem Rundgang durch die Räumlichkeiten, die wie berichtet einst als Kino, als Boxhalle, Konzertlocation und Lager dienten – bevor sie zunehmend verfielen.
Akhavan sammelt seit 22 Jahren Kunst. Im großen Saal des einstigen Theaters zeigt er nun etablierte österreichische Namen – Hermann Nitsch, Bruno Gironcoli, Maria Lassnig, Gottfried Helnwein. In der Etage darüber liegt der Fokus auf einer jüngeren Generation: Eine Skulptur von Constantin Luser, ein Bild von TOMAK, ein Arrangement von Soli Kiani, eine filigrane Zeichnung von Asunta Abdel Azim Mohamed sind zu sehen. Künftig, erklärt Akhavan, soll das Geschoß jungen Künstlerinnen und Künstlern für je einen Monat eine Bühne bieten.
Dass der elegante Rahmen auch der Anbahnung von Verkäufen dient, stellt Akhavan nicht in Abrede – die Abwicklung obliege aber den Künstlern selbst: „Hier in diesem Haus wird weder etwas gekauft und verkauft. Weil dann bin ich ein Galerist, und das wollte ich nie sein“, betont er.
Das gelte im Übrigen auch für Werke aus der ehemaligen Sammlung Friedrichshof, die die Basis des Wiener Aktionismus-Museums (WAM) bildet. Akhavan ist einer der Gesellschafter, die 2022 das Konvolut kauften, das neben bedeutenden Aktionismus-Werken auch große Bestände des Sexualstraftäters Otto Muehl umfasst.
„Ich vergleiche das mit Wohnungen“, führt Akhavan aus. „Manchmal sagt man, eine traumhafte Immobilie ist zu haben, man müsste aber das ganze Haus kaufen. Daraus, dass wir sozusagen das Schmuckstück erworben haben, ist das WAM entstanden. Der Muehl gehört dazu, den kann ich nicht kübeln.“
„Kein Muehl-Fan“
Akhavan legt Wert auf die Feststellung, dass er „kein Muehl-Fan“ sei und die Taten des Kommunengurus verabscheut. Er besitzt aber – und zeigt am Mittersteig auch – frühe Werke. Ob und wie jene Teile der WAM-Sammlung, die nicht zum Kernbestand gehören, verkauft werden, ist ihm nicht zu entlocken: „Ich tu’s nicht – und das Museum tut es auch nicht“, sagt er.
Auch aus seiner eigenen Sammlung verkaufe er mit wenigen Ausnahmen nichts, sagt Akhavan. Ein „Museum“ solle der Ort am Mittersteig, der ab November nach vorheriger Buchung für acht Euro Eintritt zu besichtigen sein wird, aber auch nicht sein. Eher eine Adresse für Kenner und Sammler, die sich vernetzen und neue Kunst entdecken wollen – mit dem Potenzial, dass so Karrieren österreichischer Künstlerinnen und Künstler befördert werden.
„Ein Gast aus dem Ausland, der eine Woche in Wien ist, geht nicht in …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



