Wiener Förderwesen: Absurditäten aus dem Kulturamt

Kultur

Vor genau zehn Jahren wurde das Bronski & Grünberg gegründet – und damit das innovativste Theater seit langer Zeit. Julia Edtmeier, Alexander Pschill und Kaja Dymnicki gingen das Projekt ohne Subventionen an. „Wir haben niemanden gefragt, wir haben es einfach gemacht. Wenn wir den offiziellen Weg beschritten hätten, wäre es nie passiert“, sagt Edtmeier, die heuer für eine ROMY als beste Schauspielerin nominiert ist (ein großes Porträt lesen Sie in den nächsten Tagen).

Mittlerweile erhält das feine Theater Förderungen, aber die Summe steht in keinem Verhältnis zur Außenwirkung. Ein Grund ist (aus der Sicht Ihres Tratschpartners), dass sich das Wiener Kulturamt scheut, Akzente zu setzen: Es fördert weiter Institutionen, die sich überholt haben. Das kreative Potenzial ist aber enorm. Was unweigerlich dazu führt, dass viele Anträge abgelehnt werden.

Der Stadtrechnungshof hat sich das Förderwesen der MA 7 genauer angeschaut – und dabei Erstaunliches zutage gefördert. Laut dem Bericht, der am Dienstag veröffentlicht wurde, hat die Magistratsabteilung für Kultur und Wissenschaft im Jahr 2024 knapp 6.800 Förderansuchen bearbeitet. Das Wehklagen der bildenden Künstler findet sich im Bericht bestätigt: Vom zuständigen Fachreferat wurden 74,8 Prozent, also drei Viertel der Anträge, abgelehnt! Im Bereich Darstellende Kunst waren es 60,5 Prozent, im Bereich Musik 54,1 Prozent und im Bereich Literatur 50,2. Man versteht den Unmut der Künstlerschaft.

Beim Lesen dringt man in einen dichten Dschungel vor: Zum Prüfungszeitpunkt wurden in den zehn definierten Bereichen insgesamt 40 Förderprogramme auf Basis von 30 unterschiedlichen Förderrichtlinien abgewickelt. Damit waren knapp 80 Prozent der Mitarbeitenden beschäftigt.

  Elim Chan: Märchenhafter Beginn einer künstlerischen Partnerschaft

In Summe wurden 308 Millionen Euro zugesagt. 140,1 Millionen Euro (fast die Hälfte!) flossen in die Darstellende Kunst, 40,3 Millionen in die Musik, 16,3 Millionen in die Bildende Kunst und nicht einmal vier Millionen in die Literatur.

Ein absurder Sonderfall ist die Bezirkskultur. Beim zuständigen Referat ging ein Drittel aller Anträge ein. Die 2.228 Förderfälle machten aber bloß zwei Prozent des gesamten Fördervolumens der MA 7 aus (sechs Millionen Euro). Der administrative Aufwand war mithin in Relation „unverhältnismäßig hoch“, es kam „zu Verzögerungen im Prozessablauf“.

Der StRH regte u. a. Verbesserungen bei der zeitnahen Mahnung nicht fristgerecht eingelangter Abrechnungen an. Und er wunderte sich: Ein Fördernehmer erhielt 2024 insgesamt 52 Einzelförderungen, in 21 weiteren Fällen wurden „mehr als 10 Einzelförderungen“ zugesprochen. Die ausbezahlten Beträge waren eher gering, aber bei jedem Fall mussten „sämtliche Prozessschritte in vollem Umfang“ durchgeführt werden. Was das Zeit kostet! Natürlich auch den Antragsteller. Aber Kleinvieh macht auch Mist: Im Bereich Bezirkskultur wurden nahezu alle Anträge (99,4 %) angenommen.

Und man arbeitete geradezu überkorrekt. Wenn Fördermittel nicht oder nicht widmungsgemäß verwendet werden, muss man sie zurückzahlen. Richtig so. Aber im Bereich Bezirkskultur stellte das Amt „vermehrt“ Rückforderungen von Beträgen unter zehn Euro: Der „administrative Aufwand stand dabei in keinem angemessenen Verhältnis zum daraus erzielbaren finanziellen Nutzen“. Das Büro von Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler gelobte generell Besserung.

…read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.