Welser-Möst zum letzten Mal mit Cleveland in Wien: Mondscheinmusik zum Abschied

Kultur

Sein letztes Konzert als Chefdirigent des Cleveland Orchestra in Wien leitete Franz Welser-Möst mit einer kurzen Ansprache ein. Ganz spontan wandte er sich vom Podium dem Publikum im Konzerthaus zu. Sentimentale Abschiedsworte vor seinem letzten Auftritt als Chefdirigent in Wien?

Mitnichten. Das würde nicht zu diesem Dirigenten passen. Er zitierte aus einem Brief, den Mozart an seinen Vater Leopold am 11. April 1781 geschrieben hatte. Darin berichtete der von einer großen Orchesterbesetzung für seine Symphonie in C-Dur, KV 338 mit 40 Geigen, doppelter Besetzung bei den Blasinstrumenten und 10 Kontrabässen. Soviel habe man nicht zu bieten, fügte Welser-Möst hinzu, bevor er energetisch anhob.

Damit hatte er möglichen Diskussionen über eine große Orchesterbesetzung, wie er sie im Konzerthaus für Mozart aufgeboten hatte, einen Riegel vorgeschoben. Mit zupackender Eleganz und makellosem, vollem Schönklang führte er das Orchester durch die viel verzweigten Wendungen.

In der Amtszeit von Welser-Möst verzeichnet das Cleveland Orchestra fast 30 Uraufführungen und vergab zahlreiche Kompositionsaufträge. Eines davon, „Intensity“ von Bernd Richard Deutsch, das der gebürtige Niederösterreicher Welser-Möst gewidmet hat, brachten sie nach Wien mit. In knapp 20 Minuten kann dabei das Orchester seine Stärken demonstrieren. Hohe Flexibilität, eine glasklare Klangkultur und herausragende Solo-Instrumentenstimmen, um nur einige zu nennen. Da wurde deutlich hörbar, wie eng Dirigent und Orchester in den 25 Jahren von dessen Amtszeit zu einer Einheit geworden sind.

Wenn Welser-Mösts Ära im Juni 2027 ihr Finale erreicht, wird diese Konstellation 1.200 Konzerte und 23 Opern, davon sechs von Richard Strauss verbuchen können. So war es logisch, das letzte Konzert in Wien mit diesem Komponisten ausklingen zu lassen. Bereits die Wahl der „Sinfonia domestica“, bei der Strauss Szenen aus seinem Leben als Familienvater vertont, mag als Pointe verstanden werden. Wie bei den Konzerten Musikverein ragte der virtuose Oboist Frank Rosenwein heraus. Welser-Möst ließ hören, das er im Hause Strauss zu Hause ist. Schwebende Streicherpassagen changierten mit schrillen Bläsern, familiäre Hektik mit Idylle. Zum Abschied dann Strauss„ „Mondscheinmusik“ (aus „Capriccio“) und Ovationen.

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Susanne Zobl

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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