Dieser CEO legt seine und alle Löhne seiner 850 Mitarbeiter offen

Wirtschaft

„Mein Name ist Manuel Wiesner und ich verdiene 245.000 Franken im Jahr.“ So stellt sich der Co-CEO der Familie Wiesner Gastronomie AG – eines der größten Schweizer Gastrounternehmen – bei seiner Keynote beim HR Inside Summit in der Hofburg am 14. Oktober vor. Er hat „Schluss mit Spekulationen“ gemacht. Mit seinen 850 Mitarbeitenden lebt er seit fünf Jahren hundertprozentige Entgelttransparenz in allen 32 Restaurants. Sogar das Trinkgeld wird offen ausgeschildert, da in seinen Lokalen ausschließlich „cashless“, also mit Karte, bezahlt wird. Was seit der Einführung dieses Systems passiert ist? Herzlich wenig. Und doch viel.

KURIER: Sie setzen auf hundertprozentige Entgelttransparenz. Warum?

Manuel Wiesner: Wir sind der Meinung, dass Transparenz die Unternehmenskultur fördert. Man will in einem Unternehmen arbeiten, das fair ist, wo es keine Abmachungen hinter dem Rücken gibt oder andere bessergestellt sind.

Wie sieht Ihr System konkret aus?

Die Lohntransparenz ist auf drei Säulen aufgebaut. Die erste ist der Lohnrechner. Geht eine bewerbende Person auf www.fwg.ch/lohnrechner, sieht sie ganz detailliert, wie sich das Lohnband zusammenstellt. Die zweite Säule ist, dass jeder das Grundrecht hat, den Lohn von jemand anderem anzufragen – in allen 32 Restaurants und auch von mir. Da wird ein Lohnanfrage-Formular ausgefüllt, HR ruft zurück und geht mit dem Mitarbeiter ins Gespräch. Weil will ein Mitarbeiter eine Information, ist meist für ihn irgendetwas nicht in Ordnung. So hat HR die Möglichkeit, nachzufragen.

Und das Gehalt gegebenenfalls anzuheben?

Unser Lohnsystem ist auf Weiterbildung und Ausbildung aufgebaut, weil wir viele Personen auf dem Existenzminimum haben, die wir weiterkriegen wollen. Also schauen wir gemeinsam, was wir tun können, um einen Mitarbeiter auf einen höheren Lohn zu bekommen. Kann sich die Person weiterentwickeln, bleibt sie auch noch zwei, drei Jahre. Das ist Win-Win.

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Welche ist die dritte Säule?

Das sind die Lohnerhöhungen. Einmal im Jahr geht eine Liste durch das Restaurant und die Lohnerhöhungen werden gemeinsam angesehen.

Bei der EU-Entgelttransparenzrichtlinie setzt man auf den Vergleich mit anonymen Gruppen. Sie verlautbaren aber individuelle Einkommen – hatten Sie keine Sorge, zu viel offenzulegen?

Zuerst war es schon ein mulmiges Gefühl. Doch was ist passiert? Eigentlich rein gar nichts. Man hat das Gefühl, dass es so extrem wichtig ist, aber Mitarbeiter sprechen sowieso über den Lohn. Die Mitarbeiter dachten, ich bringe locker eine halbe Million bis eine Million Franken pro Jahr nach Hause. Aber es sind 245.000 Franken. So kann man Gerüchten entgegenwirken.

Wie hat sich die volle Transparenz seit der Einführung entwickelt? Haben die Löhne kurzfristig angezogen?

Im Restaurant gab es kein Problem, da haben wir schon immer mit Lohnbändern gearbeitet. Aber im Büro haben wir eingestellt, was der Markt bezahlt. War jemand schon länger bei uns, war er unterbezahlt. Als wir das Lohnsystem eingeführt haben, haben wir die, die unterbezahlt waren, angehoben. Aber das ist keine Lohnerhöhung, man hat ja davor nicht fair bezahlt. So hat man die Möglichkeit, dass die Person länger bleibt. Durch unser Lohnband weiß jeder Mitarbeiter, was das Minimum und was das Maximum ist. Wir heben deshalb von unten zwar den Lohn an, aber die übermäßigen Forderungen von oben gibt es nicht mehr.

Gab es Personen, die sich verwehrt haben?

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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