
Führungskräfte überschätzen sich selbst. Das zeigt die zweite Ausgabe des CEO Insomnia Index der Boston Consulting Group (BCG). Fast 90 Prozent der CEOs sind davon überzeugt, dass ihre Mitarbeiter ihrer Führung generell vertrauen. Dem stimmen jedoch nur 46 Prozent der Mitarbeiter zu.
Diese Fehleinschätzung zeige sich vor allem im Transformationsprozess rund um Künstliche Intelligenz.
Zu wenig Vertrauen
15 Prozent der befragten CEOs sind besorgt, dass ihr Umgang mit KI das Vertrauen ihrer Mitarbeiter beeinträchtigen könnte. Laut Studie geben jedoch vier von zehn Mitarbeitern an, dass ihr CEO nicht transparent genug darüber informiert, wie sich KI auf ihre Rolle und Karriere auswirken könnte.
„Historisch gesehen gab es diese Wahrnehmungslücke schon immer“, sagt Julie Bedard, Managing Director und Partnerin bei BCG. „Führungsteams, einschließlich CEOs, überschätzen dieses Vertrauen manchmal. Ich denke, dass sich diese Kluft noch vergrößert hat, da die Beziehung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in manchen Unternehmen zunehmend transaktional wird.“
Dabei wäre mehr Vertrauen von großem Vorteil: Die Hälfte der Mitarbeiter, die angegeben haben, dass der Umgang ihres CEO mit KI ihr Vertrauen gestärkt habe, sei nun eher bereit, die Extrameile zu gehen, sich stärker zu engagieren. Weniger als zehn Prozent der Mitarbeiter, deren Vertrauen in die KI-Führung ihres CEO gesunken ist, könnten dasselbe sagen. Ein Unterschied von mehr als 40 Prozentpunkten.
Es braucht mehr als Worte
„CEOs gehen davon aus, dass es ausreicht, wenn Mitarbeitende ihre Worte hören, um Vertrauen aufzubauen“, kritisiert Matthias Tauber, Managing Director und Senior Partner bei BCG. Mitarbeitende würden CEOs aber auch anhand ihrer Handlungen beurteilen. „CEOs müssen in ihren Aussagen realistisch und in ihrem Handeln konsequent sein“, sagt er. Und das beginnt schon bei Themen wie dem Wohlergehen der Teams.
Fast 70 Prozent der CEOs glauben, dass ihre Mitarbeitenden ihnen zutrauen, bei wichtigen Geschäftsentscheidungen auch deren Wohlergehen im Blick zu behalten. Dem stimmen jedoch nur 36 Prozent der Mitarbeitenden zu. Dennoch würden sich 58 Prozent der Führungskräfte keine Gedanken über eine zunehmende Unzufriedenheit unter den Mitarbeitenden machen. CEOs berichten sogar von einem geringeren Stressniveau.
Lieber zurücktreten
Der Stresswert des „CEO Insomnia Index“ ist von 66,7 zu Beginn dieses Jahres auf 64,2 von 100 Punkten gesunken. Dennoch geben 34 Prozent der CEOs an, in den vergangenen sechs Monaten zumindest über einen Rücktritt nachgedacht zu haben.
Als Gründe für einen möglichen Rückzug nennen sie unter anderem eine bessere Gesundheit, mehr Zeit für die Familie, eine bessere Work-Life-Balance und ein glücklicheres Leben.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



